Nobelpreisträger zu Gast

Merkel und Gore rufen zu mehr Klimaschutz auf

Von Konrad Mrusek

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24. Oktober 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel und Friedensnobelpreisträger Al Gore haben gemeinsam zum weltweiten Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Bei einem Treffen mit Merkel erklärte Gore am Dienstag in Berlin, die Klima-Krise sei die wichtigste Herausforderung, der sich die Staatengemeinschaft stellen müsse. Der ehemalige amerikanische Vizepräsident rief außerdem zu einem regelmäßigen Klima-Krisengipfel aller Staatschefs auf. Gore lobte bei einem kurzfristig anberaumten Treffen mit Merkel im Kanzleramt deren „hervorragende Arbeit“ während der G-8-Präsidentschaft. Merkel scheue sich nicht, auch große Staaten wie China immer wieder auf das Thema hinzuweisen.

Merkel erklärte, sie halte den Klimawandel für eine der großen globalen Herausforderungen und lobte Gores Eintreten für den Klimaschutz. „Ich bin sehr froh, dass ich Al Gore heute hier treffen darf“, freute sich die CDU-Politikerin. Gore habe viel zum Klimaschutz auf der Welt beigetragen.

Cleverer Coup für ENBW

Am Abend hielt Gore im Rahmen eines Festessens vor rund 300 geladenen Gästen einen Vortrag zum Thema „Eine unbequeme Wahrheit“. Dieser Auftritt stand im Zusammenhang mit einem Klimagipfel, zu dem der Energiekonzern ENBW eingeladen hatte. Viele Spekulationen gab es darüber, wie teuer denn das Engagement des Nobelpreisträgers gewesen sei. Dem angeblichen Betrag von 180.000 Dollar wurde zumindest nicht rigoros widersprochen.

Al Gore zählt mittlerweile zu jenen globalen Stars, die ihre mediale wirkung völlig kontrollieren. So erwarb ENBW nicht die Rechte an seiner Rede, diese durfte nicht aufgezeichnet werden. Ein öfföentlich zugänglicher Klimaschutz-Missionar war Gore nur in einem fünfminütigen Auftritt vor der Rede, danach mussten Kameras und Tonbandgeräte ausgeschaltet werden. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestierte inzwischen gegen die Beschränkungen bei dem Vortrag Gores. „Das ist ein klarer Eingriff in die Freiheit der
Berichterstattung“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

In dem kurzen öffentlichen Teil appellierte Gore an die Staats- und Regierungschefs, zunächst Anfang 2008 unter dem Dach der Vereinten Nationen einen außerordentlichen Krisengipfel abzuhalten. Auch danach sollte es alle drei Monate ein solches Treffen geben, und zwar so lange, „bis wir das Leben der nachfolgenden Generationen gerettet haben“, sagte Gore.

Das Engagement von Gore war ein cleverer Coup für ENBW und eine nachträgliche Genugtuung für seinen ehemaligen Chef Utz Claassen. Dieser hatte Al Gore eingeladen, um mit diesem Klimaschützer das Image des Energieversorgers aufzubessern, doch der schillernde Claassen wurde vor kurzem bei ENBW ausgebootet. Sein Nachfolger Hans-Peter Villis beteuerte, welche gewaltige Aufgabe der Klimaschutz sei und wie wenig Zeit den Menschen bleibe.

Villis warb für Ausstieg aus dem Atomausstieg

Ähnlich wie Claassen warb auch der neue Konzernchef für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg und bot den Politikern an, den Zusatzgewinn längerer Laufzeiten in den Ausbau erneuerbarer Energie zu stecken. „Wer auf Kernenergie verzichten will, der hat die Herausforderung der Klimapolitik nicht verstanden“, sagte Villis. Nur mit längeren Laufzeiten sei es möglich, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um vierzig Prozent zu verringern.

Oettinger unterstützte den Konzern in der Forderung nach einer Revision des Atom-Ausstiegs. „Ich sehe keine Chance, dass Baden-Württemberg in wenigen Jahren die Stromlücke von 60 Prozent mit erneuerbarer Energie schließen kann. Wer zu früh bei Atomkraftwerken aussteigt, muss die Lücke mit neuen Kohlekraftwerken schließen und verhindert damit den Aufbau regenerativer Energie.“ Nach Ansicht des CDU-Politikers kann der Klimaschutz einen Neuanfang in die Energiepolitik bringen. Für diesen Dialog erwartet er jedoch mehr politisches Feingefühl der Manager: „Wenn die Konzernchefs den Strompreis um zehn Prozent erhöhen und im selben Ausmaß auch ihre Tantiemen steigen, dann erleichtert dies nicht gerade den Dialog mit der Politik.“



Text: F.A.Z., 24.10.2007, Nr. 247 / Seite 13
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa, reuters

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