19. Februar 2008 Im Steuerskandal rund um den zurückgetretenen Postchef Klaus Zumwinkel nehmen die Fahnder immer mehr Banken ins Visier. Am Montag haben die Strafverfolgungsbehörden nach Informationen der F.A.Z. auch die Geschäftsräume der Dresdner Bank in München durchsucht. Ein Sprecher der Bank bestätigte, dass die Steuerfahnder vor Ort waren. Darüber hinaus erfuhr die F.A.Z., dass die Fahnder am Dienstag auch die Räume der Privatbank Berenberg in Hamburg durchsucht haben.
Die Ermittler inspizierten darüber hinaus die Münchener Niederlassung der Schweizer Großbank UBS. Wir können bestätigen, dass in unserer Niederlassung in München eine Prüfung in einem Einzelfall stattgefunden hat, sagte ein UBS-Sprecher.
Schon am Montagabend war bekannt geworden, dass die Fahnder die Geschäftsräume der Privatbank Hauck & Aufhäuser in München sowie der Privatbank Metzler in Frankfurt und München durchsucht haben (siehe dazu auch: Strafverfolger durchsuchen deutsche Banken). In Bankenkreisen ist zu hören, dass die Strafverfolgungsbehörden noch weiteren Geschäftsbanken einen Besuch abgestattet haben.
Privatbanken wie Metzler und Hauck & Aufhäuser sind auf die Vermögensverwaltung für eine reiche Privatklientel spezialisiert. Auch große Geschäftsbanken wie die Dresdner Bank, die Deutsche Bank, Credit Suisse oder UBS sind in diesem Geschäft sehr aktiv und unterhalten häufig Dependancen in den wichtigsten Steueroasen.
Staatsanwaltschaft Bochum will Durchsuchungen fortsetzen
Die Staatsanwaltschaft Bochum setzt unterdessen ihre Ermittlungen in dem Steuerskandal unvermindert fort. Wir gehen weiter unserer Arbeit nach, dazu gehören auch Durchsuchungen, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde Bernd Bienioßek am Dienstag. Genauere Angaben über die Aktionen lehnte der Staatsanwalt ab, um die laufenden Ermittlungen nicht zu behindern. Berichte über eine Flut von Selbstanzeigen könne er bisher nicht bestätigen, sagte der Staatsanwalt weiter.
Für eine erste Bilanz der bisherigen Razzien sei es noch zu früh, sagte Bienioßek. Diese solle Anfang kommender Woche gezogen werden. Bienioßek wollte sich nicht zu der Frage äußern, welche Objekte am Dienstag durchsucht würden.
Am Montag hatten Fahnder in mehreren Großstädten Banken und Privatwohnungen durchsucht. Begonnen hatten die Aktionen vergangene Woche mit einer Razzia beim mittlerweile zurückgetretenen Postchef Klaus Zumwinkel in Köln und Bonn. Zumwinkel steht im Verdacht, rund eine Million Euro hinterzogen zu haben. Den Ermittlern liegen nach Angaben der Bundesregierung die Daten von über 1000 mutmaßlichen Steuersündern vor. Die Daten stammen aus Liechtenstein und sind vom BND für einen Millionenbetrag erworben worden.
Liechtenstein fahndet nach ehemaligem Bankenmitarbeiter
In Liechtenstein wird im Zusammenhang mit den gestohlenen Bankdaten offenbar nach einem früheren Mitarbeiter der Fürstenbank LGT, Heinrich K., gefahndet, der 2003 vom Landgericht Vaduz verurteilt wurde, weil er der Bank die Daten entwendet hatte, die nach Bankangaben jetzt den Fahndungen in Deutschland zugrundeliegen. In Vaduz heißt es, er lebe außer Landes.
Ein in Liechtenstein kursierendes Gerücht besagt, der Mann habe unter falschem Namen in Australien gelebt, als er dort aus anderen Gründen von der Polizei überprüft worden sei, wobei die von der LGT entwendeten Daten gefunden worden seien, die dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätten. Der Schaaner Rechtsanwalt Müller, der K. vertreten hatte, gab an, seine Kanzlei habe keinen Kontakt mehr zu ihrem früheren Mandanten. Das Verfahren war 2003 ohne Öffentlichkeit abgewickelt worden. Müller hatte auch den Treuhänder Batliner in dem Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung vertreten, das durch den Fall Schockemöhle in Gang gekommen war.
Text: da./anr./F.A.Z./FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, ddp
