Liechtensteiner Affäre

Steuerskandal erreicht immer mehr Staaten

27. Februar 2008 Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Niederlande, Australien: Die Liste der Länder, die Ermittlungen wegen möglicher Steuerhinterziehung in Liechtenstein eingeleitet haben, wird immer länger. Zuletzt erreichte der Skandal aktuell Australien, wo die Behörden die Häuser von 20 reichen Steuerzahlern durchsucht haben, die Steuern mit Hilfe von Konten in Liechtenstein hinterzogen haben sollen. Dabei gehe es um Kunden der Fürstenbank LGT, sagte ein hochrangiges Mitglied der Steuerbehörde am Mittwoch. „Wenn jemand versucht, sein Geld zu verstecken, ist es nirgendwo sicher. Am Ende kann die Informationen an die Oberfläche kommen“, sagte Michael D'Ascenzo. Er äußerte sich nicht dazu, woher Australien die Informationen hat. D'Ascenzo schloss jedoch aus, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten.

Am Dienstag war schon bekannt geworden, dass die Liechtensteiner Steueraffäre auch die Vereinigten Staaten erreicht hat (siehe dazu auch: 150 Beschuldigte, 72 Selbstanzeigen: „Für eine Woche ziemlich gut“). Die amerikanischen Steuerbehörden teilten mit, sie leiteten Schritte gegen mehr als 100 Steuerzahler aus den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit Konten in dem Fürstentum ein. Dabei werde mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden, Australien, Neuseeland und Kanada zusammengearbeitet. Jeder, der über verborgene Einkommen und Gewinne verfüge, sei gut beraten, dies offenzulegen.

Der internationale Druck auf Liechtenstein wächst

Auch Großbritannien und die Niederlande haben schon Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. In Großbritannien soll angeblich gegen Hunderte Verdächtige ermittelt werden. Darüber hinaus sind die Regierungen von drei nordeuropäischen Ländern an der Auswertung der in Liechtenstein gestohlenen und vom Bundesnachrichtendienst BND gekauften Daten über Bankkonten interessiert. Am Dienstagabend schloss sich auch der dänische Steuerminister Kristian Jensen entsprechenden Ankündigungen aus Finnland und Schweden an. Er hatte die Unterlagen noch am Vormittag als „Hehlerware“ eingestuft, die man unter keinen Umständen als Beweismittel gegen Steuerbetrüger einsetzen wolle.

Jensen sagte der Zeitung „Børsen“ zum BND-Kauf der gestohlenen Daten: „Diese Art von gehobener Hehleraktivität sagt mir nicht zu. Das ist ethisch nicht die richtige Methode, um eine korrekte Form der Steuerzahlung sicherzustellen.“ Es sei ein „moralisches Problem, einen Verbrecher für Informationen zu entlohnen, die er gestohlen hat“. Nach heftiger Kritik der Opposition in Kopenhagen nahm Jensen dann seine ursprüngliche Ankündigung zurück, das deutsche Material nicht auszuwerten. Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte für mehrere Millionen Euro gestohlene Daten über Transaktionen mit Banken in Liechtenstein gekauft und so die aktuelle Steueraffäre ins Rollen gebracht.

Mit der Ausdehnung des Steuerskandals auf immer mehr Länder wächst der internationale Druck auf Liechtenstein weiter. Dem Fürstentum wird mangelnde Transparenz am Finanzplatz vorgeworfen. Die Beziehungen zu Deutschland sind durch die Razzien im Zusammenhang mit massenhafter Steuerhinterziehung belastet. Ermittler verdächtigen die Beschuldigten, über Stiftungen des Fürstentums Gelder am Fiskus vorbei geschleust und so Steuern hinterzogen zu haben.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

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