Von Christian Haas
21. Januar 2007 Mit Kindern wird der Urlaub teurer. Diese Einsicht ist so banal wie jene, dass die meisten sogenannten Billigflieger eben nicht billig sind, sondern bestenfalls moderate Preise fordern. In extremen Fällen können die Tickets sogar richtig teuer sein. Zum Beispiel zu Anfang und Ende der Schulferien. Inzwischen drohen selbst Grundschulen damit, ein Attest für Schüler einzufordern, wenn deren Eltern etwas früher und damit deutlich günstiger in die Ferien abheben wollen. Familien, die dennoch fliegen wollen, bekommen die schmerzhaften Regeln des Marktes zu spüren. Und der predigt die totale Flexibilität: Wer es sich zeitlich und organisatorisch leisten kann, wird dafür mit traumhaften Schnäppchen belohnt.
Eltern, die nicht schnell genug am Computer schalten, bezahlen dagegen hohe Tarife. Das Kontingent günstiger Tickets für beliebte Ferientermine ist manchmal wenige Stunden nach Bekanntgabe des neuen Saisonflugplans erschöpft. Selbst Billigflieger und Ferienfluggesellschaften verlangen dann für Flüge nach Mallorca mitunter mehrere hundert Euro - pro Person. Doch selbst wer einen günstigen Preis erwischt, ist schnell ernüchtert: Anders als bei der Deutschen Bahn, wo Kinder bis 14 Jahre kostenlos ihre Eltern oder Großeltern begleiten dürfen, sind bei den Airlines keine Vergünstigungen für den Nachwuchs vorgesehen.
Babys zahlen für Gepäck
Auch wenn Kinder bis zu zwei Jahren keinen Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz haben, zahlen die Eltern oft bis zu zehn Prozent des Erwachsenentarifs drauf. Für was, lässt sich schwer erkennen: Wie im Falle von TUIfly, dem Nachfolger von HLX und Hapagfly, haben Babys und Kleinkinder (zumindest bis zum 24. März 2007) manchmal nicht einmal Anspruch auf Freigepäckmengen. Das wird vor allem dann schwierig, wenn jedes zusätzliche Kilo über den erlaubten zwanzig weitere sieben Euro kostet. Die Eltern müssen sich also zurückhalten, um zum eigenen Gepäck auch noch Windeln, Gläschen oder Pflegeutensilien unterzubringen.
Wer einen Kindersitz mitbringt und einen zusätzlichen Sitzplatz belegt, hat dieses Problem natürlich nicht, muss aber dafür zahlen - bis hin zum vollen Flugtarif. Ab dem zweiten Geburtstag des Kindes wird es richtig teuer. Zwar erhält es dann eine Sitzplatzgarantie, doch wird dafür mindestens die Hälfte, meist aber werden zwei Drittel des Nettoflugtarifs für Erwachsene berechnet. Bei TUIfly gelten Kinder ab zwei Jahren sogar als vollwertige Erwachsene, zumindest beim Ticketpreis. Sitzplatz ist Sitzplatz, erklärt die Airline dazu. Folgt man dieser Logik, dann müssten übergewichtige Passagiere mit übergroßem Platzbedarf auch doppelt zur Kasse gebeten werden.
Für die fliegende Familie ist die Rechnung mit dem Sitzplatzpreis allerdings noch lange nicht abgeschlossen: Wer denkt, bei Steuern, Kerosinzuschlägen und Flughafengebühren gäbe es Abstufungen zwischen Voll- und Teilzahlern, der irrt. Lediglich Kleinkinder bis zwei Jahre werden davon verschont, alle anderen zahlen in voller Höhe. Nun haben die Airlines auf diese Gebühren nur bedingten Einfluss - wohl aber auf immer neue Zusatzkosten, die gerade in den vergangenen Monaten bei Ferien- und Low-Cost-Fliegern zugenommen haben: In Mode gekommen ist die Sitzplatzreservierung.
Kein Kindertarif bei der Platzreservierung
Sie kann wie im Falle von Condor und LTU pro Person und Flug bis zu zehn Euro betragen. Auch bei Ryanair, Easyjet - hier werden bis zu 11,25 Euro berechnet - und anderen haben sich die Zeiten geändert. Bislang hatte es überhaupt keine Sitzplatzvergabe gegeben, allerdings durften bestimmte Passagiere bevorzugt einsteigen wie Hilfsbedürftige und eben Familien mit Kindern. Die konnten so immer zusammenhängende Sitze belegen. Das hat sich jetzt großteils geändert. Bei Germanwings gestattet man immerhin noch Familien mit Kindern unter fünf Jahren den Vortritt. Doch generell heißt die neue Doktrin: Nur wer ein paar Euro extra bezahlt, darf früher in die Maschine und sich einen Sitzplatz aussuchen.
Und richtig: Preislich wird auch bei der Sitzplatzreservierung nicht zwischen Erwachsenen und Kindern unterschieden. Andererseits ist sie nicht verbindlich. Doch das Risiko werden Eltern wohl kaum eingehen, auf dem Weg nach Gran Canaria den Sohn allein und flugunerfahren fünf Reihen hinter dem Vater und dafür zwischen lauter Unbekannten sitzen zu lassen, während gleichzeitig die Mutter mit der Tochter am anderen Ende der Maschine sitzt. Also wird eine Reservierung gebucht - und dann kommen bei der Flugreise einer vierköpfigen Familie rasch 80 Euro extra zusammen - allein für die Garantie, nebeneinanderzusitzen.
Joghurt und Eis weiterhin umsonst
Nina Dumbert von Condor beschwichtigt: Wer rechtzeitig an den Schalter kommt, hat in der Regel genügend Platzauswahl und kann auch ohne Reservierung zusammenhängende Plätze erstehen. Außerdem besteht weiterhin die Möglichkeit des Vorabend-Check-ins. Doch gerade Eltern mit jüngeren oder mehreren Kindern schaffen solche Extratouren meist nicht. Natürlich können sie sich dann an Bord um einen Sitzplatztausch mit anderen Passagieren bemühen - immerhin lässt sich mit einem schlechtgelaunten Kleinkind in der Hinterhand gut verhandeln. Doch wer es auch darauf nicht ankommen lassen will, der sollte die Anschaffung einer Bonuskarte erwägen.
Bei Condor heißt sie TravelCard Plus und kostet 50 Euro pro Jahr. Karteninhaber und bis zu drei beliebig wählbare Mitreisende können damit unter anderem umsonst Sitzplätze reservieren. Rabatte beim Bordmenü geben die Karten jedoch nicht. Wer auf das normale Bordmenü verzichtet, das Kindern oft nicht passt, konnte bislang kostenlos ein Kindermenü reservieren - was bei Kurzflügen unerheblich ist, bei Langflügen aber nicht. Doch seit dem Winterflugplan 2006/07 kostet dieser Service - ebenso wie vegetarische, vegane und koschere Kost - bei Air Berlin fünf bis sieben Euro, bei Condor zehn Euro extra. Pro Kind und Flug versteht sich.
Tröstlich, dass Joghurt oder Eis nach wie vor umsonst verteilt werden. Und eines der Erwachsenengerichte basiert auf Pasta. Lobenswert: LTU verlangt keinen Aufschlag für den Sonderwunsch Kindermenü. Ein Beweis, dass die Sonderpreislisten zwischen den Airlines enorm schwanken. Und dass Familienfreundlichkeit sehr unterschiedlich interpretiert wird.
Linienflüge können sich lohnen
Hier kommen dann die etablierten Linienfluggesellschaften ins Spiel, die bei Familien selten hoch im Kurs stehen. Diese Gesellschaften werben weder vollmundig mit Taxipreisen noch mit 1-Cent-Tarifen. Doch gerade an Wochenenden und in den Ferien können ihre Preise durchaus mit denen von Ferienfliegern mithalten - sind diese Airlines doch vornehmlich auf Geschäftsreisende spezialisiert. Ein genauer Vergleich lohnt sich, vor allem, weil hier kaum Sonderkosten anfallen. Bestes Beispiel ist die Sitzplatzreservierung. Die ist etwa auf Lufthansa-Langstreckenflügen umsonst.
Auch für die Betreuung der Kinder fallen an Bord keine zusätzlichen Kosten an. Mit dem Bordservicekonzept Lu's World will Lufthansa ihre jungen Passagiere besonders verwöhnen, und das beinhaltet eben auch kinderkompatible Mahlzeiten. Doch hier sind nicht labberige Pommes gemeint, sondern Pfannkuchen mit Sauerkirschen, Karottenlasagne, Fischstäbchen mit Kartoffelpüree und Tomatensoße bis zu roter Grütze und Erdbeermousse - Fernsehkoch Johann Lafer stand Pate.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.01.2007, Nr. 3 / Seite V2
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