Phänomen Heizpilz

Wollt ihr für die Straße heizen?!

Von Verena Mayer

Die Heizpilz-Straße ist die Antwort des Nordens auf die Strandparty

Die Heizpilz-Straße ist die Antwort des Nordens auf die Strandparty

29. Oktober 2007 Es ist Herbst, die Leute sitzen im Café. Natürlich sitzen sie vor dem Café auf der Straße, es hat schließlich sechs Grad. Sie werden auch noch im Dezember auf der Straße sitzen und im Februar und zu den Eisheiligen. Sie werden auch dann noch auf der Straße sitzen, wenn die Gletscher wegtauen und die Nordost-Passage am Nordpol so befahrbar sein wird wie der Ärmelkanal.

Nur dass sie das nicht mitbekommen werden, weil sie nämlich unter einem Heizpilz sitzen, der ihnen den Horizont verstellt und mit seinem Kohlendioxid-Ausstoß, der ungefähr so hoch ist wie der eines Mittelklassewagens, das Hirn vernebelt.

Ganze Straßen sind von Heizpilzen befallen

Das Einzige, was sie vielleicht merken, ist, dass sie umgeben sind von Heizpilz-Sitzern, denn sobald irgendwo der erste Heizpilz auftaucht, ist kurz darauf die ganze Straße befallen, vom Italiener bis zur Kneipe am Eck.

Die Heizpilz-Straße ist die Antwort des Nordens auf die Strandparty. Erst gibt es Latte Macchiato und Caipirinha, dann kommen die Heizpilze, und am Ende ist eine ehemals angenehme Ausgehgegend so abgemeldet wie die Wüste von Nevada nach einem Atombombentest.

Wollt ihr für die Straße heizen?!

Und wenn man dann in einer kalten Herbstnacht zum Schlafen das Fenster öffnen will und es kommt einem von unten erst ein Schwall Heizpilz-Abluft und dann das Gegröle von Unter-Heizpilz-Sitzern entgegen, dann möchte man am liebsten hinrennen und die Leute fragen, ob sie eigentlich drinnen oder draußen sitzen wollen.

Dazu würde man gerne jenen Spruch brüllen, mit dem unsere Mütter uns immer genervt haben, wenn wir in der kalten Jahreszeit die Fenster offengelassen haben: Wollt ihr für die Straße heizen?! Aber genau das wollen sie natürlich, denn der Widersinn ist das Lebensmotto der Heizpilz-Sitzer. Und erst wenn der letzte Heizpilz verglommen ist, werden sie merken, dass man im Winter draußen nicht essen kann.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: Bode, Henning

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