Comedy-Serie „Der kleine Mann“

Du hast da noch Mehl an der Nase

Von Jörg Thomann

Kleiner Mann und Werbefrau: Karoline Eichhorn und Bjarne Mädel

Kleiner Mann und Werbefrau: Karoline Eichhorn und Bjarne Mädel

24. März 2009 Als er beim Deutschen Comedy-Preis als Laudator auftrat, klagte Bjarne Mädel in gespielter Empörung, dass kein Preis für den besten Nebendarsteller vorgesehen sei. Für den, fabulierte er, wären dann Matthias Matschke aus „Pastewka“ und er selbst nominiert worden; gewonnen hätte er, Bjarne Mädel. Abwegig war das nicht. Matschke ist gut in „Pastewka“, doch Mädel als „Ernie“ Heisterkamp in „Stromberg“ ist schlicht genial.

Von den Nebenfiguren, an denen sich der Bürotyrann reibt, ist Ernie die markanteste: Spießer und Muttersöhnchen mit kleinkindhaftem Sozialverhalten und tellergroßen Schweißrändern, eine Nervensäge, auf deren Stirn die unsichtbare Schrift „Bitte mobben“ steht. Jeder kennt so einen Ernie, aus der Schule, aus dem Betrieb oder - nein, aus dem Sportverein eher nicht. Und die darstellerische Leistung Mädels war so gelungen, dass sie den beklemmenden Verdacht weckte, er müsse auch im wahren Leben ziemlich erniehaft sein (siehe: Der schlimmste Chef aller Zeiten: „Stromberg“ geht weiter).

Alles spielt verrückt

Normalo als Werbestar: Rüdiger Bunz (Bjarne Mädel)

Normalo als Werbestar: Rüdiger Bunz (Bjarne Mädel)

Zweifelsfrei sagen lässt sich, dass Mädel ein fürs Fernsehen höchst auffälliges Durchschnittsgesicht trägt. Dies hat den „Stromberg“-Autor Ralf Husmann (siehe: Ein Gespräch mit dem Autor Ralf Husmann) zu einer Serie inspiriert, in der Mädel endlich die erste Geige spielt. „Der kleine Mann“ ist der Name eines Schnapses, für den ein Normalbürger als Werbefigur gesucht und im Elektrofachverkäufer Rüdiger Bunz (Mädel) gefunden wird. Der bodenständige Bunz wird zu einer kleinen Berühmtheit und versucht, ganz natürlich zu bleiben - während alle um ihn herum und das Fernsehen sowieso verrückt spielen.

Husmanns hervorragender Ruf hat ihm eine exquisite Besetzung beschert. Nach Anneke Kim Sarnau in „Dr. Psycho“ hat er mit Karoline Eichhorn die zweite Grimme-Preis-gekrönte Charakterdarstellerin dazu gebracht, in einer komischen Serie aufzutreten, und mit Florian Lukas den wohl profiliertesten Bester-Kumpel-Darsteller des deutschen Films verpflichtet, der als Bunzens rückgratloser Kollege einige Glanzlichter setzt. Und Mädel zeigt, dass er einen Durchschnittstypen auch ohne Ernies Marotten spielen kann: Uneitel und blauäugig tapst er durch die absonderliche Fernsehwelt und weist den Starkoch, der mit weißem Pulver im Gesicht aus der Toilette kommt, arglos darauf hin, er habe da „noch Mehl an der Nase“.

Schwenk zum Grundguten

Vor zwei Jahren hat Ralf Husmann gesagt, er finde es spannender, wenn die zentrale Sitcom-Figur nicht „grundgut“, sondern „eher ein Arschloch“ sei. Mit „Der kleine Mann“ hat er einen Schwenk vollzogen. Wo sich mit Stromberg und mit Christian Ulmens „Dr. Psycho“ zwei schwer erträgliche Exzentriker in einer nur leicht skurrilen Umgebung bewegen, sieht sich der grundgute, nur leicht skurrile „kleine Mann“ von schwer erträglichen Exzentrikern aus der Medien- und Werbebranche umgeben. Und weil deren Treiben viel peinlicher ist als die feindosierten Fehltritte des Helden, stellt sich nicht das sonst bei Husmann garantierte Vergnügen am Fremdschämen ein.

Zum Auftakt wirkt die Serie bei allem Wortwitz wie ein Abbild ihrer Titelfigur: sympathisch, aber ein bisschen langweilig. In Zukunft wird Rüdiger Bunz schon stärker aus seiner ruhigen Bahn geraten müssen, wenn es mit dem Comedy-Preis als bester Hauptdarsteller für Bjarne Mädel etwas werden soll.

„Der kleine Mann“ läuft dienstags um 22.40 Uhr bei Pro Sieben.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Pro Sieben

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Glück im Unglück: Schützen Sie sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls. Jetzt Unfallversicherungen vergleichen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche