Kein Erfolg mit Portugal

Cristiano Ronaldo - Schönling im toten Winkel

Von Christian Eichler, Basel

Er suchte einen Platz in der Fußballgeschichte

Er suchte einen Platz in der Fußballgeschichte

20. Juni 2008 Er hatte sich vorgenommen, endlich einen Titel für Portugal zu gewinnen - etwas, das andere nationale Idole wie Eusebio oder Luis Figo nie geschafft haben. Denn Cristiano Ronaldo, der unbestritten beste Fußballspieler der Saison, will mehr als das: „Einen Platz in der Fußballgeschichte.“ Doch er muss weiter darauf warten. Denn auch bei seinem dritten Turnier mit Portugal, wie bei der EM 2004 im eigenen Land und bei der WM in Deutschland, ist er vorzeitig gescheitert.

Nach seinen 42 Saisontoren für Manchester United ist Ronaldo am Donnerstagabend in Basel in jenem Spiel, in dem Portugal seine Klasse und Tore am meisten gebraucht hätte, eine Randfigur geblieben. Besser gesagt: Die deutsche Mannschaft machte ihn bei ihrem 3:2-Sieg dazu (Siehe: 3:2 gegen Portugal: Der deutsche Traum vom Gipfelsturm lebt wieder). Und es gab noch eine Hiobsbotschaft für den Portugiesen: Ronaldo muss sich einer Operation unterziehen, nachdem er schon seit drei Monaten an Schmerzen im Fuß litt. Der Eingriff wird bald in Manchester vorgenommen.

Hang zu anklagenden, selbstmitleidigen Gesten

Wo war eigentlich Ronaldo? Die Frage konnte zumindest in den ersten vierzig Minuten nicht so genau beantwortet werden. Im Spiel war er zumindest nicht. Der 23 Jahre alte Superstürmer, bei jeder Ballberührung von deutschen Fans ausgepfiffen, tauchte erst auf der linken Seite auf, wo er feststellte, dass er, statt selbst viel zu bewegen, Arne Friedrich hinterherlaufen musste, der mit einigen Vorstößen zur deutschen Überlegenheit beitrug. Also kreuzte er lieber rechts auf, wo ihm allerdings Philipp Lahm den Ball abnahm. Es dauerte bis zur 26. Minute, bis er, nun wieder links, den ersten Zweikampf gewann, Friedrichs Foul brachte wenigstens einen Freistoß für die Portugiesen.

Zu seinen gefürchteten Tempodribblings ließ ihn die deutsche Abwehr mit vereinten Kräften durch geschicktes Verschieben und Doppeln kaum kommen. Die beiden ersten deutschen Tore ließen dann bei Ronaldo den bekannten Hang zu anklagenden, selbstmitleidigen Gesten erwachen. Einmal, als er sich gefoult fühlte, kniete er am Boden und hob vorwurfsvoll die Hände. Doch die deutsche 2:0-Führung bewirkte erstaunlicherweise etwas, das die deutsche Mannschaft bei Gleichstand nicht zugelassen hatte: Plötzlich entstanden Räume für Kombinationen, ja für Konter der Portugiesen.

Er taucht unter - und dann plötzlich wieder auf

In der 32. Minute hatte Ronaldo nach einer Ballstafette plötzlich Raum, doch seine Hereingabe war zu ungenau und wurde abgewehrt. Sein Versuch, Jens Lehmann zu überlisten, nachdem der einen Ball gefangen hatte, misslang - er schlich sich hinter den deutschen Torwart, um von ihm übersehen zu werden und vielleicht den Ball durch eine Unaufmerksamkeit zu stehlen; doch Lehmann hatte den siebten Sinn für den Schönling in seinem toten Winkel.

Doch die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit zeigten dann, was Ronaldo meistens so gefährlich macht. Beim Konter verschätzte sich Per Mertesacker, machte einen Schritt nach vorn, um den Pass abzufangen, doch der Ball landete bei Ronaldo, und der war durch perfekte Ballmitnahme und explosiven Antritt nicht mehr einzuholen. Seinen Schuss aus halbrechter Position konnte Lehmann noch abklatschen, doch im Nachschuss gelang Nuno Gomes der Anschlusstreffer. Und mit der letzten Aktion vor der Pause hätte beinahe der Weltstar persönlich den Ausgleich besorgt. Doch Ronaldos Kunstschuss, ein ansatzloser Dreher, flach aufs lange Eck, flog nicht nur an Lehmanns Fingerspitzen, sondern um Zentimeter auch am Pfosten vorbei.

Ein Sieg nur gegen die Boulevardpresse

Nach der Pause schien es ungemütlicher für den deutschen Rechtsverteidiger zu werden. Nach einem Fersentrick in vollem Lauf sah er nur die Hacken Ronaldos, und weil er sie auch trat, erhielt Arne Friedrich die Gelbe Karte. Doch die deutsche Abwehr, die nun tiefer stand, sich weiter zurückgezogen hatte, nahm Ronaldo mehr und mehr den Raum. Er tauchte unter.

Immerhin, einen Sieg hat Ronaldo am Donnerstag dennoch erzielt. Ein Gericht in London gab ihm Recht gegen das Boulevardblatt „Sun“. Ronaldo hatte gegen dessen Behauptung geklagt, er sei von Manchester United bestraft worden, weil er im Training vier SMS verschickt habe. Eine Bagatelle zwar, aber ein Zeichen dafür, dass der Portugiese vor der mächtigen englischen Presse keine Angst hat.

In einem Statement verkündete er: „Ich hielt es für nötig, um meinen Ruf als professioneller Fußballer zu schützen. Entgegen dem Eindruck, den der Artikel vermittelte, nehme ich Training sehr ernst, und ich möchte nicht, dass die Leute denken, ich gäbe im Training nicht mein Bestes.“ Im Spiel gegen Deutschland war es weit davon entfernt, sein Bestes zu sein.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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