Von Christoph Becker und Marc Heinrich, Ascona
27. Juni 2008 Warum spielt die Türkei eigentlich bei der Europameisterschaft mit, wollte FAZ.NET-Leser Manfred Gabler aus Lübbecke wissen, warum nicht auch Israel? Machen Sie mit: Leser fragen, FAZ.NET antwortet
Der türkische Fußballverband, die Türkiye Futbol Federasyonu (TFF), 1923 gegründet und als 26. Mitglied dem Weltverband Fifa beigetreten, hatte sich 1950 erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifiziert - mit einem 7:0 über Syrien.
Die TFF war damals weder Mitglied des asiatischen Fußballverbands AFC noch der europäischen Uefa: Beide Kontinentalverbände wurden erst 1954 gegründet. Die Reise nach Brasilien konnten die türkischen Spieler übrigens nicht antreten, den türkischen Verband plagten Geldsorgen.
Uefa-Beitritt 1962 - zehn Jahre nach dem Nato-Beitritt
1954 dann nahm die Türkei erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. Die Mannschaft hatte sich nach drei Play-off-Spielen gegen Spanien, die je einen Sieg für jede Mannschaft und ein Unentschieden im Entscheidungsspiel gebracht hatten, und einem Münzwurf durchgesetzt - allerdings immer noch nicht als Mitglied der Uefa, die am 15. Juni 1954 geründet wurde - einen Tag vor Beginn der WM-Endrunde in der Schweiz.
Dem europäischen Verband trat die TFF 1962 bei - lange nachdem sie Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, Beitritt 1948) und des Europarats (Beitritt 1949) wurde, und ein Jahr, bevor das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Gemeinschaft abgeschlossen wurde.
Europäer prägten den türkischen Fußball
Schon aus diesen politischen Verträgen lassen sich die Gründe für den Uefa-Beitritt ersehen: nach dem Zweiten Weltkrieg war die türkische Außenpolitik eindeutig westlich und pro-europäisch ausgerichtet - schließlich war die Republik schon 1952 in die Nato eingetreten.
Aber auch der Fußball in der Türkei orientiert von je her an europäischen Vorbildern. Die Trainer der erfolgreichen Klubs kamen vorwiegend aus den damaligen Vorbild-Nationen Ungarn, Österreich und England. Auf die Olympischen Spiele 1924 in Paris wurde die türkische Auswahl vom Schotten Billy Hunter vorbereitet, das 2:5 gegen die Tschechoslowakei in Paris war das erste Spiel einer türkischen Auswahl in Europa.
Von Lissabon bis Astana: die Mitglieder der Uefa
Die Türkei ist übrigens längst nicht der einzige Staat mit asiatischem Gebiet, der im europäischen Fußball mitspielt: Kasachstan grenzt sogar an China. Für die Uefa genügt die historische Verwurzelung der früheren Sowjetunion im europäischen Fußball, kasachische Mannschaften bei europäischen Wettbewerben mitspielen zu lassen.
Und auch Israel nahm an der Qualifikation zur EM in Österreich und der Schweiz teil, scheiterte aber in der Gruppe E. Das Team belegte hinter Kroatien, Russland und England nur den vierten Rang - sonst hätte es durchaus bei der EM mitspielen können.
Israels erzwungene Reise durch die Verbände
Nach seiner Gründung 1948 trat der israelische Fußballverband dem Internationalen Fußball-Verband Fifa bei und 1956 dem asiatischen Fußballverband AFC. 1974 wurde Israel aus dem AFC ausgeschlossen - wegen eines Boykotts durch arabische Länder.
Die Aufnahme in die Uefa wurde zunächst von den Staaten des Ostblocks abgelehnt. So musste Israel in der Folge bei WM-Qualifikationen meistens gegen die Länder Australiens und Ozeaniens antreten. Erst 1991 konnte Israel in europäischen Wettbewerben (EM- und WM-Qualifikation, Europapokal) mitspielen. 1994 wurde der israelische Verband endgültig Vollmitglied bei der Uefa.
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Text: FAZ.NET
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