26. Juni 2008 Randale und ausländerfeindliche Ausschreitungen haben am Mittwochabend vor allem in Sachsen die fröhlichen Feiern nach dem 3:2-EM-Erfolg der deutschen Fußball-Elf gegen die Türkei überschattet. In Dresden überfiel eine Gruppe von etwa 30 vornehmlich schwarz gekleideten Randalierern einen Dönerimbiss am zentralen Albertplatz. Die beiden dabei verletzten türkischen Besitzer mussten medizinisch versorgt werden. Die Ladeneinrichtung wurde demoliert, eine türkische Fahne angezündet. Mehrere Schaulustige und Mitläufer verfolgten die Randale. Die Gruppe zog dann weiter und zerstörte die Scheiben von zwei weiteren Dönerläden. Die Dresdner Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch und hat einen Zeugenaufruf gestartet.
Auch in Thüringen kam es zu einem Angriff auf einen Dönerladen-Besitzer. Nach dem Spiel scherten drei junge Männer im Alter zwischen 16 und 18 Jahren in Brotterode im Landkreis Schmalkalden-Meiningen aus einem Autokorso aus, hielten vor einem Dönerladen und verprügelten den 21-jährigen Besitzer, wie Polizeisprecher Eberhard Wagner in Suhl am Donnerstag erklärte. Der 21-Jährige wurde am Kopf verletzt. Genauere Angaben konnte der Sprecher zunächst nicht machen.
Sechs verletzte Polizeibeamte
In Chemnitz gingen gewaltbereite Fußballfans nach dem Abpfiff auf die Polizei los. Dabei wurden sechs Beamte verletzt, mehrere Polizeiautos wurden beschädigt. Laut Polizei war die Stimmung nach dem Spiel in der Chemnitzer Innenstadt sehr aufgeheizt. Als die Einsatzkräfte weitere Ausschreitungen verhindern wollten, habe sich die Gewalt plötzlich gegen die Beamten gerichtet.
In Hannover nahm die Polizei 20 Rechtsradikale in Gewahrsam, die beim Fan-Fest wiederholt rassistische Parolen skandierten. Gegen sie werde nun wegen Volksverhetzung ermittelt. In Köln nahm die Polizei eine Gruppe Hooligans fest. Die Männer seien als äußert gewaltbereit bekannt und hätten immer wieder Schlägereien angezettelt, teilte die Polizei mit.
21 Festnahmen bei 110.000 Fans in Basel
In Basel sind nach Polizeiangaben 21 Personen wegen kleinerer Querelen unter Fans vorläufig festgenommen worden. Insgesamt hielten sich rund 110.000 Fans in der Stadt auf, hieß es am Donnerstagmorgen bei den Behörden. Es sei jedoch zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen.
Fast 260 Menschen wurden aus unterschiedlichen Gründen ambulant versorgt, neun mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden, vier kamen in eine Ausnüchterungszelle. Die Lage sei vor, während und nach dem Spiel zu jeder Zeit unter Kontrolle gewesen, hieß es weiter.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa