Altkanzler heiratet Maike Richter

Ihr Schwärmen für Kohl fiel auf

Von Wulf Schmiese

15. April 2008 Maike Richter hat seit einem Jahrzehnt immer wieder ihr Leben für Helmut Kohl umgekrempelt. Nun wollen sie heiraten, der Kanzler der Einheit und die stets als „klug“ gelobte Volkswirtin aus dem Siegerland. Das bestätigte am Dienstag Kohls Büroleiter. Die „Bild“-Zeitung hatte mit dem jungen „Glück im Unglück“ des Altkanzlers aufgemacht - wobei mit dem Unglück ein schwerer Sturz gemeint ist, von dem sich Kohl gerade erholt.

Seit drei Jahren tritt Maike Richter offiziell als Kohls „neue Lebenspartnerin“ auf, wie er sie selbst das erste Mal nach der offiziellen Feier der Adenauer-Stiftung zu seinem 75. Geburtstag vorstellte. Sie ist 35 Jahre jünger als der 78 Jahre alte Kohl und steht ihm schon lange loyal zur Seite. Kohl selbst bekam ihre Bewunderung und Treue in den ersten Jahren gar nicht mit, denn sie hatte nur Folgen für Maike Richters Berufsleben. Nach ihrem Studium in München und einer ersten Stelle am dortigen Ifo-Institut begann ihre Karriere 1994 im Bonner Bundeskanzleramt.

„Ausgesprochen nett, offen und umgänglich“

Genaugenommen war sie Referentin im Bundeswirtschaftsministerium, das sie jedoch unmittelbar in die Zentrale der Macht entsandte. Freunde berichten, sie sei schon damals eine glühende Bewunderin von Kanzler Kohl gewesen. In dessen Amtssitz hatte sie aber wenig mit ihm zu tun: Sie arbeitete in der Wirtschaftsabteilung des Hauses, lieferte für Reden zu. Nach Kohls Abwahl im September 1998 mochte auch Maike Richter nicht länger im Bundeskanzleramt bleiben. Ihre Leistung wollte sie keinem Bundeskanzler Gerhard Schröder bringen, sondern Kohl, zumindest dessen CDU, deren Mitglied sie ist. Sie wechselte zur Bundestagsfraktion, die damals noch Kohls ewiger Kronprinz Wolfgang Schäuble führte. Frau Richter wurde Referentin für Wirtschaft bei Schäubles Stellvertreter Friedrich Merz. Als „ausgesprochen nett, offen und umgänglich“ loben sie noch heute ihre Kollegen von damals. Von Merz wurde sie wegen ihrer klaren ordnungspolitischen Schärfe geschätzt. Oft saßen sie beisammen und feilten bis tief in die Nacht, beliefert vom Pizza-Service, an oppositionellen Plänen. Merz’ Aufstieg wollte Maike Richter aber nicht mehr begleiten – aus Loyalität zu Kohl. Denn Merz forderte wie so viele in der CDU die volle Aufklärung der Parteispendenaffäre, der Kohl sich verweigerte.

Frau Richter verließ die Politik. Für ein Jahr ging sie als Journalistin zur „Wirtschaftswoche“ nach Düsseldorf. Dort wurde sie als „durchsetzungsstark“ geschätzt, „sie ließ sich in Konferenzen nicht die Butter vom Brot nehmen“, sagen damalige Kollegen. Manchem jedoch mißfiel, dass sie ihren parteipolitischen Standpunkt nicht verbarg. Auch ihr Schwärmen für Kohl fiel auf. Als ausgerechnet Merz im Interview Kohl kritisierte, sei die Redakteurin Richter darüber offen bekümmert gewesen, heißt es. Nach dem Tod von Kohls Frau Hannelore gestand sie Freunden, wie leid ihr Kohl tue in seiner politischen und nun auch privaten Einsamkeit.

Sie schaut entzückt zu ihrem Lebenspartner hinüber

Nachdem Maike Richter wieder im Bundeswirtschaftsministerium zu arbeiten begonen hatte, traf sie Kohl am Rande von Terminen wieder und bot ihm ihre Unterstützung an. Sie half beim Verfassen seiner Memoiren, deren erster Band 2004 erschien. Freunde, die mit beiden im Urlaub waren, berichteten vom „zärtlichen Umgang“ der beiden ebenso wie vom „Verschlingen“ etlicher Bücher, über die sich beide „begeistert und stundenlang“ austauschen konnten. Bei Essen im kleinen Kreis erzählt Frau Richter offen, was sie von der derzeitigen Politik hält und schaut dabei entzückt zu ihrem Lebenspartner hinüber – über den sie sich höchstens aufregt, wenn er wieder zuviel Zucker in der Cappucino löffelt.

Im Wirtschaftsministerium leitet Maike Richter die Abteilung für die Regionalförderung der Europäischen Union. Nun aber hat sie sich abermals beurlauben lassen – um ihren künftigen Mann bei der Genesung zu unterstützen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS, ZB

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