26. März 2007 Erst kommt der Erfolg, dann das Echo: Zu Überraschungen kommt es bei der Vergabe der deutschen Musikpreise schon deshalb nicht, weil die hiesigen Verkaufszahlen und Hitparaden-Plazierungen im vergangenen Jahr für die Auszeichnung ausschlaggebend sind. Schließlich ist es die Deutsche Phono-Akademie, die seit 1992 die Echos verteilt. Diesmal waren es die inzwischen 16 Jahre alte Sängerin Lafee und die sächsische Gruppe Silbermond, die mit je zwei der Trophäen nach Hause gehen konnten. Weitere Echos gingen an den sogenannten Skandal-Rapper Bushido und den deutschen Grand-Prix-Kandidaten Roger Cicero. Auch das Berliner Duo Rosenstolz und die Teenie-Band Tokio Hotel wurden derart gewürdigt.
Etliche der internationalen Gewinner waren nicht nach Berlin gekommen: Robbie Williams, die Red Hot Chili Peppers und Eminem blieben der Gala fern. Während der dreieinhalbstündigen Show standen Stars wie Jennifer Lopez, Take That, Simply Red, die No Angels und die Fantastischen Vier auf der Bühne. Außerdem nahm die Britin Katie Melua ihren Echo als beste Rock-Pop-Sängerin international persönlich in Empfang.
Kreischen für die Kaulitz-Brüder
Für den größten Jubel, Gekreische und gellende Pfiffe sorgten jedoch Tokio Hotel: Schwarz gewandet und von allerlei Feuerwerk erhellt spielten die jungen Leute nicht nur auf der Bühne, sondern nahmen für das Video zu ihrem Lied Der letzte Tag auch einen Echo in Empfang. LaFee wurde als beste nationale Künstlerin Rock/Pop und als beste deutsche Newcomerin geehrt und zeigte sich, sie ist ja auch noch jung, zu Tränen gerührt.
Dass Silbermond mit Das Beste den Hit des Jahres gelandet hatten, bestätigte ihnen der entsprechende Preis. Außerdem wurde die Formation für ihre Bühnenauftritte ausgezeichnet. Roger Cicero wurde bester deutscher Sänger Rock/Pop, Rosenstolz gewann in der Band-Kategorie, Bushido wurde bester Hip-Hopper national.
Andrea Berg nahm in der Kategorie Schlager bereits ihren vierten Echo in Empfang, die Volksmusiktruppe Kastelruther Spatzen konnte sich sogar über den zehnten Echo freuen. Immerhin zwei Echos an einem Abend gab es auch für die kanadische Band Billy Talent: Ihr Rang als international erfolgreiche Nachwuchsmusiker und beste Rock/Alternative-Gruppe international wurde auch von der Phono-Akademie erkannt und mit je einer Kleinplastik belohnt. In der deutschen Rock/Alternative-Kategorie gewannen die Sportfreunde Stiller.
Ein bisschen Friede
Außerdem wurden drei Ehrenpreise verliehen. Der irische Sänger Bono von der Rockband U2 wurde mit einem Ehrenpreis für seinen weltweiten Kampf gegen Aids und Armut ausgezeichnet. Er rief die Musikfans zum Engagement für die Armen auf. Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel durfte sich über einen Preis für sein Lebenswerk freuen und lag sich mit Sängerin Nicole, die ihm den Preis übergab, weinend vor Rührung in den Armen. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.
Eine Sonderehrung für sein Lebenswerk erhielt auch Sänger Yusuf, besser bekannt als Cat Stevens. Der zum Islam konvertierte Brite (Morning Has Broken), der Ende vergangenen Jahres ein erfolgreiches Comeback als Sänger feierte, wurde als Brückenbauer zwischen den Kulturen gewürdigt.
Text: AP
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS