Geboren 1989

Die Kinder des Mauerfalls sind volljährig

Geboren 1989: Die Kinder des Mauerfalls sind volljährig
09. November 2007 

Achtzehn Jahre nach dem Mauerfall gibt es in Deutschland eine Generation junger Erwachsener, welche die DDR nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen.

Was wissen sie noch von dem Mauerstaat? Was haben Eltern, Verwandte und Lehrer ihnen erzählt? Fühlen sie sich als Wessis oder als Ossis? Spielen solche Unterschiede überhaupt noch eine Rolle? Welche Pläne haben sie? Was für ein Deutschland wünschen sie sich?

Klare Sicht auf die Dinge

Berlin, November 1989: Die Mauer verliert ihren Schrecken

Berlin, November 1989: Die Mauer verliert ihren Schrecken

Wir haben mit jungen Erwachsenen gesprochen, die am äußersten Rand von Berlin wohnen: In Marzahn-Hellersdorf, wo der (Nord-)Osten so ostig aussieht wie kaum irgendwo sonst – und in Kleinmachnow, wo der Osten inzwischen fast so aussieht, als sei er immer schon ein Teil von Süd-West-Berlin gewesen. Das Ergebnis der Stichprobe: Es scheint sich um eine Generation zu handeln, die klar sieht – Unterschiede wie Gemeinsamkeiten.

Aufgezeichnet von Sascha Lehnartz.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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Christian Smoljanicki

Obwohl seine Generation die deutsche Teilung gar nicht erlebt hat, gehören ihr dennoch „Besserwessis“ an. Christian Smoljanicki wundert sich über diese Vererbung. Echte Sorgen aber macht ihm das spürbar sinkende Bildungsniveau in seiner Umgebung.

Benjamin Maier aus West-Berlin

Die frühere DDR wäre für Benjamin Maier kein Platz zum Leben gewesen. Als Kind einer West-Familie kennt er nur das Bild eines totalen Überwachungsstaates. Inzwischen hat er selbst Ost- und West-Erfahrung. Sein Fazit: „Im Osten ist es viel netter“.

Sindy Rössel aus Berlin-Hellersdorf

Die Fußball-Weltmeisterschaft muss eine schwere Zeit für Sindy Rössel gewesen sein. „Deutschlandfahnen aus dem Fenster hängen finde ich affig“, sagt sie. Ob jemand aus dem ehemaligen Osten oder dem früheren Westen kommt, hält sie für unerheblich.

Christine Meißner aus Marzahn

Sie wurde in Marzahn geboren und lebt gern in ihrer Heimat. Christine Meißner kann nicht nachvollziehen, dass Marzahn als gefährlich gilt. „Hier werden um 18 Uhr die Bordsteine hochgeklappt“. Sorgen macht ihr, dass viele Eltern ihre Kinder nicht erziehen, sondern im Jugendzentrum „abgeben“.

Georgina Hagedorn aus Potsdam

Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Georgina Hagedorn ist aufgefallen, dass Wessis im Gegensatz zu Ossis weniger geregelte Essenszeiten haben. Und dann ist da noch ein Lack mit einem charakteristischen Geruch.

Tim Vogel aus Berlin-Charlottenburg

Bei einem Börsen-Planspiel im Wirtschaftsunterricht wurde Tim Vogels Interesse an der Finanzwirtschaft so nachhaltig geweckt, dass er später auch beruflich an der Börse tätig sein will. Von der DDR-Planwirtschaft hält er daher wenig.