17. Dezember 2007 Schwer zu sagen, wer sich hier wen geschnappt hat: Der Staatschef das frühere Topmodel, das jetzt ihn schmücken darf - oder die schöne Herzensbrecherin den Mann mit der meisten Macht im Staat? Jedenfalls hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ganz offensichtlich keine Lust auf Versteckspielchen, sondern zeigt sich entspannt mit seiner neuen Freundin Carla Bruni. Die aus Italien stammende Musikerin, die am Sonntag 39 Jahre alt wird, sei seine neue Herzensdame, berichten die französischen Illustrierten diese Woche einstimmig und zeigen Bilder vom Wochenendausflug des Pärchens nach Disneyland. Der Elyséepalast schweigt dazu.
Ziemlich auf den Tag genau zwei Monate nach der Scheidung von seiner Frau Cécilia hat Sarkozy es offenbar darauf angelegt, mit seiner neuen Begleiterin fotografiert zu werden. Denn es kann ihm kaum entgangen sein, dass in dem Vergnügungspark östlich von Paris ein gutes Dutzend Boulevardfotografen mit Blitzlicht um Bruni und ihn herumturnten. Die Fotografen hätten die Bilder keineswegs heimlich geschossen, betont die Wochenzeitschrift L'Express. Und trotzdem sei der bald 53 Jahre alte Präsident auf den Fotos mit der Musikerin ganz entspannt und gut gelaunt zu sehen.
Sehr vorteilhaftes Äußeres
Kein Wunder, denn Bruni hat nicht nur ein sehr vorteilhaftes Äußeres, wie die Tageszeitung Le Parisien es ausdrückt. Die 38-Jährige stammt aus einer reichen italienischen Industriellenfamilie, in der sich wenig um Mode und alles um Kunst drehte, wie es heißt. Sie gilt als gebildet und intelligent, als interessante Gesprächspartnerin und als vergleichsweise bodenständig: Keine Mascara-Sammlung, kein koketter Augenaufschlag, wie die konservative Tageszeitung Le Figaro anerkennend schreibt - vielmehr trinke Bruni bei Rockkonzerten ganz einfach Bier, als ob sie nicht eine der schönsten Frauen der Welt wäre.
Statt es beruflich ihren kunstbeflissenen Eltern nachzutun - einer Konzertpianistin und einem leidenschaftlichen Komponisten - gab Bruni ihr Studium der Architektur und Kunst mit 19 Jahren gleich wieder auf und fing mit dem Modeln an. In den 90er Jahren rückte sie in die Reihe der Topmodels auf und lief - neben Kolleginnen wie Claudia Schiffer und Linda Evangelista - für die großen Couturiers. Gut zehn Jahre später war Schluss damit. Modeln ist wie Sport, sagte Bruni einmal. Mit 30 Jahren ist man tot. Nicht etwa, weil die Frauen dann weniger schön seien, im Gegenteil. Sondern weil die Welt sich an den immer gleichen Gesichtern absehe.
Dunkle, rauchige Stimme
Bevor ihr das passieren würde, verlegte Bruni sich auf die Musik, mit der sie schließlich groß geworden war. Und landete auf Anhieb einen Riesenerfolg: Ihr erstes Album, Quelqu'un m'a dit, verkaufte sich rund zwei Millionen Mal, auch in Deutschland erlagen Käufer und Kritiker der eher langsamen, leicht melancholischen Musik - oder vielleicht auch der dunklen, rauchigen Stimme von Bruni.
Bloß Treue liegt der schönen Franko-Italienerin nicht so sehr. Bruni werden Affären mit dem britischen Rockstar Mick Jagger, seinem Kollegen Eric Clapton und sogar mit dem amerikanischen Milliardär Donald Trump nachgesagt; außerdem soll sie dem französischen Staranwalt Arno Klarsfeld, dem Schauspieler Vincent Perez und einem führenden Parteimitglied der französischen Sozialisten den Kopf verdreht haben - unter anderen. Mit dem französischen Philosophen Jean-Paul Enthoven lebte sie solange zusammen, bis sie ihn für seinen Sohn Raphaël verließ und mit diesem ein Kind bekam.
Und keiner soll sagen, er habe es nicht gewusst. Ich bin maßlos, warnt Bruni in einem ihrer Stücke, ich mag es, wenn es aus dem Gleichgewicht gerät; wenn das Leben sich zeigt, bleibe ich entspannt. Übermäßig traurig, übermäßig froh, erst dann lebe sie auf, heißt es in ihrem Text zu L'Excessive. Vielleicht ist es also ein Märchen, wenn Sarkozy sich jetzt mit der Musikerin zusammentut, wie die linke Tageszeitung Libération ironisch schreibt. Oder Bruni hat sich einfach ein neues Abenteuer gesucht.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
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