
„Wozu braucht man die Liebe in einer Kultur des Begehrens? Warum sich mit einer Familie belasten, wenn Freiheit als oberster Wert propagiert wird? Was soll Moral in einer hedonistischen Gesellschaft? Wenn Gott tot ist, ist die ganze Welt ein Bordell, das man genießen sollte, bis man daran krepiert. Wenn das Individuum König ist, ist Egoismus die einzige Perspektive. Und wenn der Vater in der materialistischen Demokratie nicht mehr die höchste Gewalt ist, kann nur noch die Polizei der Gewalt Einhalt gebieten.“
Frederic Beigbeder: Windows on the World 2003 s.169

Da zeigt sich wieder einmal, wie zutiefst kinder- und familienfeindlich unsere westlichen Gesellschaten bereits sind.
Der Hedonismus hat auf ganzer Bandbreite gesiegt, was bleibt sind atomisierte Individuen, die alle nach ihrer - freilich hauptsächlich durch die Medien vermittelten - Lust-Ökonomie leben.
Die meisten Kinder der kommenden Jahrzehnte - viele werden es wohl auf lange Sicht nicht mehr sein, viele ohnehin bloß "Unfälle" (das Wort hat sich ja schon lange eingebürgert) - werden bei wechselnden Tagesmüttern, beim alleinerziehenden Elternteil und/oder in zeitlich befristeten Patchwork-Familien heranwachsen.
In Gesellschaften, deren Mitglieder sich vor allem ihrer Selbstverwirklichung, ihrem eigenen Ich widmen, bauen sich stabile und gesunde Beziehungsgeflechte - seien sie familiärer, verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Art - rapide ab. Das können wir bereits beobachten.
Kinder und alte Menschen werden in Zukunft wohl nur noch "anstaltsmäßig", also durch eigens dafür vorgesehenes Fachpersonal betreut werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand: die Familie, ihre "Auffang"-Mechanismen werden verschwinden: der Preis der sog. Selbstverwirklichung werden Bindungsstörugnen und Einsamkeit sein.

.. dann wird der Vater zahlen.
So hat das Bundesverfassungsgericht zur Gleichstellung in der Familie entschieden: " Väter nicht ehelicher Kinder erhalten weiterhin kein Sorgerecht ohne die Zustimmung der Mutter. .. Zur Begründung hieß es, .. Tue die Frau das nicht [gemeinsames Sorgerecht], könne der Gesetzgeber davon ausgehen, dass dies nicht aus einem Machtmissbrauch gegenüber dem Vater geschehe, sondern die Mutter vielmehr schwerwiegende, von der "Wahrung des Kindeswohls" getragene Gründe habe. (AZ: 1 BvL 20/99 u.a.)"
Klar, die Mutter hat dann ein Recht auf Erziehungsunterhalt, Kindergeld und Kindesunterhalt. Macht zusammen ab 1.200€/mtl. u.v.m., währen der Vater den Kontakt zum Kind einklagen darf.
Verweigert eine Mutter diesen Kontakt, dann entspricht das ebenfalls dem Kindeswohl. Sogar Kindesmissbrauch und Misshandlungen durch die Mutter ändern daran nichts.
Ich will nicht mehr Unterhalt zahlen, sondern meine Tochter hälftig erziehen. Es wird Zeit, dass auch hier die gleichen Rechte für Männer und Frauen etabliert werden, denn sonst werden sich Männer in Zukunft frühzeitig sterilisieren lassen um auch folgenfreien Sex genießen zu können. Schade für die Bevölkerungsentwicklung.

Wenn einige der Vor-Schreiber auf die Möglichkeiten der dt. Sprache verweisen, auch Casual Sex entsprechend zum Ausdruck zu bringen und hierbei wiederholt vom "Autor" des Artikels sprechen, so ist festzuhalten: Wer deutsche Differenziertheit fordert, sollte diese auch liefern, denn der "Autor" heißt Julia Schaaf und ist demnach aller Wahrscheinlichkeit nach eine "Autorin". - Davon abgesehen bringt die Verquickung von fortschreitender Ökonomisierung, medialer Freizügigkeit und pseudo-Romantisierungen wohl auch die Rationalisierung von One-Night-Stands und Beziehungsunfähigkeit mit sich. Ökonomisierung auch, da sowohl die Wissens- als auch die Erfahrungsinhalte auf ihren monetären Wert bzw. ihre Verwertbarkeit hin gesteuert werden und auch, da "mehr besser als weniger" ist. Daß aber "weniger oft mehr ist", wissen die emotional Verkümmerten offenabar nicht - oder sie ahnen es, wie die besagte Lisa des Artikels.

Prinzipiell habe ich an einem solchen Service nichts auszusetzen. Das einzige, was mir hier sauer aufstößt ist, dass genau wie in einigen Diskotheken die Männer bezahlen müssen und Frauen alles kostenlos bekommen.
Ich bin mir bewußt das der Markt hier wahrscheinlich die Preise regelt, es geht mir jedoch um das problematische fest verinnerlichte Prinzip, das der Mann für ein sexuelles Arrangement zu bezahlen hat. (Eigentlich ein klarer Fall von Diskriminierung, aber das interessiert niemanden, weil es ja nur Männer trifft.)
Ich denke, hier muss sich einiges in den Köpfen der Menschen ändern. Denn es ist wirklich schade, dass viele Männer keine Souveränität über ihren Trieb haben und sich auf dieses Spiel einlassen...

Meiner Meinung nach sind derartige Unternehmungen weder besonders Einfallsreich noch Zielführend. Aber spätestens nach Serien wie "sex and the city" halten sich viele - insbesondere junge - Menschen für sexuell nicht aktive genug. Trotzdem gilt aber allermeistens: kein guter Sex ohne Intimität, keine Intimität ohne Vertrauen, kein Vertrauen ohne das man sich länger kennt. Flüchtiger Sex mit unbekannten Partnern ist fast immer langweilig, oberflächlich und induziert von Alkohol oder diversen anderen Substanzen. Wenn es richtig prickelt, wird meist auch mehr draus. Was sich wirklich hinter dieser ganzen casual-sex-Geschichte verbirgt, ist Bindungsangst und eine ausgeprägte Unfähigkeit, private Probleme zu lösen - sprich einfach Beziehungsunfähigkeit. Damit erzeugt man bei sich selbst meist mehr Probleme als man zu lösen gedenkt. Wenn man den Medien glauben will, treibt es die ganze Welt bunt, wild und durcheinander - und vor allem immer ganz toll und romantisch. Ist aber nicht so.
Also an Alle, die nicht ständig durch die Betten hüpfen, einen festen Partner haben und auch mal eine Woche "ohne" aushalten: keine Sorge, Ihr seid normal, nicht die Anderen.

Lesen sie am besten selbst noch einmal nach:
"...in vielen Fällen..."
Das Wort kann und wird auch in neutraler Konnotion verwendet, wie es der Autor hier z.B. tut ;)

Der Autor sagt sehr richtig, die Britten hätten einen schönen Begriff mit dem "Cashual-Sex" geschaffen - warum benutzt er selbst dann einen wertenden Ausdruck, den kaum ein Leser verstehen dürfte, wahrscheinlich er selbst nicht? Können sich die Redakteure dieser Zeitung nicht einfach an das halten, was sie selbst in ihren Berichten schönreden?
Zitat der Wikipedia zu "Promiskuität":
...promiskuitiv (adj) wird auch verwendet für „sexuell freizügig oder offenherzig“. [Promiskuität] ist in vielen Fällen ein wertender Ausdruck, mit dem der Missbilligung einer für den Sprecher „zu hohen“ Zahl von Sexualpartnern Ausdruck verliehen wird. Der eingenommene Standpunkt bei einer solchen Bewertung kann beispielsweise sein, dass Sexualität nur der Fortpflanzung dienen sollte oder dass Menschen zumindest das Ziel anstreben sollten, einen Partner für eine einzige, lebenslang andauernde Beziehung zu finden. Oder der Standpunkt begründet sich darin, das die anprangernde Person zu wenig bis gar keinen Sex hat.

Irgendwie müssen sich die Generationen von emotional verarmten, workoholischen, karriereorientierten, fachlich und arbeitszeittechnisch hochflexiblen Globalplayern halt auch fortpflanzen. Da kommt das neue unpersönliche, unverfängliche Mausklicken zum Zwecke der Beziehungsanbahnung gerade recht. Man braucht nicht mal vom Computer aufzustehen, kann weiter essen, vergibt sich nichts, erklärt auch nichts, Körbe sind erträglicher, Hingabe ein Fremdwort und Risiken sind ausgeschaltet bzw. "gemanagt"....
..was für eine Horde emotionaler Rohrkrepierer.

wird, ist, und war - ob casual oder one-night-stand - nie echte Intimität. (Natürlich kann sich die daraus auch mal entwickeln wie bei "Pretty Woman". )
Das "neue" leichte Spiel "Casual sex" ist also nicht neu, nur neu benannt. Er entspricht dem der "schmetterlingsleichten Flower Power" der 68er.
Er ist kein Spiel mit der Intimität, weil es die dabei nicht gibt und nicht geben soll: Denn wirkliche Intimität entsteht erst, wenn mentaler Sex und körperlicher Sex im Gleichklang sind.
Das braucht Zeit - wer hat die schon...
Das braucht Vertrauen - wem vertraut man schon....