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Nach 35 Jahren des Wartens endlich ein Ja-Wort

Mit dem Segen der Kirche: Charles und Camilla verheiratet

Mit dem Segen der Kirche: Charles und Camilla verheiratet

09. April 2005 Der britische Thronfolger Prinz Charles und seine Freundin Camilla Parker Bowles haben am Samstag in Windsor geheiratet. In einer schlichten Zeremonie wurden sie auf dem Standesamt der Kleinstadt bei London getraut. Dabei waren außer der Standesbeamtin Clair Williams nur 28 Angehörige des Paars anwesend, darunter die Kinder von Charles und Camilla aus ihren vorherigen Ehen.

Trauzeugen waren Prinz William und Camillas Sohn Tom Parker Bowles. Die Eltern von Charles, Königin Elizabeth II. und Prinz Philip, blieben der Zeremonie fern. Sie kamen erst zum folgenden Gottesdienst.

Geküßt?

Die 57jährige Camilla trug ein knielanges, cremefarbenes Chiffonkleid der Londoner Modemacherin Robinson Valentine, darüber einen weißen Seidenmantel mit Fischgrätmuster, außerdem einen farblich abgestimmten ausladenen Hut mit Spitzenkrempe von Designer Philip Treacy. Zum Gottesdienst erschien sie nicht in Weiß, sondern in einem hellen, blaugrauen Seidenkleid mit Goldstickereien und handgemaltem Ikatdesign. Charles trug einen Frack.

Spekuliert wurde, ob Charles seine Braut nach der Eheschließung geküßt hat. Bei seiner Hochzeit mit Diana hatte er dies nicht getan. Auch als er sich mit Camilla nach der Trauung wieder den wartenden Zuschauern zeigte, vermied er jede zärtliche Geste. Charles und Camilla erschienen - etwas unsicher lächelnd - Arm in Arm auf den Stufen des Rathauses. Die etwa 15.000 Schaulustigen jubelten ihnen zu. Eine Jazzband spielte „Congratulations“. Doch schon nach wenigen Augenblicken fuhr das Brautpaar ins Schloß zurück. Dort folgte in der Kapelle der Gottesdienst, in dem Charles und Camilla den Segen der anglikanischen Kirche erhielten.

Strenges Sündenbekenntnis in der Kirche

Rowan Williams, der als Erzbischof von Canterbury das geistliche Oberhaupt von weltweit 75 Millionen Anglikanern ist, spendete ihnen den Segen in einer zwar feierlichen, aber zurückhaltenden Zeremonie in der St George's Chapel. Der Gottesdienst war keine kirchliche Heirat. Charles und Camilla mußten den an Prinzessin Diana und Andrew Parker Bowles begangenen Ehebruch bekennen und das dadurch zugefügte Leid bedauern - dies macht die Kirche von England grundsätzlich zur Voraussetzung, wenn Geschiedene um die Segnung ihrer neuen Ehe bitten.

Das Brautpaar wählte dafür den strengsten zur Verfügung stehenden Text aus, ein Sündenbekenntnis aus einem Gebetbuch von 1662. Darin heißt es: „Wir bekennen uns zu unseren mannigfaltigen Sünden und beklagen unsere Schlechtigkeit“. Anschließend gelobte sich das Paar noch gegenseitig die Treue. Charles und seine zweite Frau kennen und lieben sich seit 35 Jahren.

Die zweitwichtigste Frau am Hofe

Nach der kirchlichen Feierstunde wirkte das Paar sichtlich gelöst und begrüßte lächelnd die jubelnde Menge, die sich um das Gotteshaus versammelt hatte. Einige Fans der Royals machten vor der Braut erstmals einen Knicks. Durch die Trauung ist Camilla nach dem Hofprotokoll zur zweitwichtigsten Frau der britischen Monarchie aufgestiegen. Sie muß jetzt mit „Königliche Hoheit“ angeredet werden und führt sämtliche Titel ihres Mannes. Unter anderem ist sie auch Prinzessin von Wales. In der Praxis will sie diesen Titel aber nicht benutzen, da er eng mit Prinzessin Diana verbunden ist. Stattdessen will sie sich Herzogin von Cornwall nennen lassen.

Hunderte Polizisten waren im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen; mehr als 2.500 Journalisten aus aller Welt berichteten über das Ereignis - und obwohl ein kühler Wind wehte, zeigte sich Windsor mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein von seiner besten Seite.

„Diana nie vergesssen“

Nach dem Gottesdienst gab die Queen in den Staatsgemächern des Schlosses einen Empfang für mehr als 700 Gäste. Doch schon am frühen Abend wollte das Brautpaar in die Flitterwochen nach Schottland aufbrechen.

Während sich in Windsor tausende Briten eingefunden hatten, um dem Ehepaar zuzujubeln, begingen Anhänger der verstorbenen Prinzessin Diana den Hochzeitstag auf ihre Weise: Rund hundert Menschen kamen am Vormittag am Londoner Kensington-Palast zusammen, in dem die erste Ehefrau des Prinzen bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 gelebt hatte. „Nie vergessen, nie zu ersetzen“, stand auf Karten und Blumengebinden, mit denen sie Diana als die „wahre Prinzessin von Wales“ würdigten.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, REUTERS

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