28. April 2008 Im Leben eines Polizisten mögen allenfalls Urlaubstage angenehme Tage sein. Unter Österreichs Kriminalisten wird das kaum einer besser wissen als Franz Lang, Leiter des Wiener Bundeskriminalamts (BKA). Sind Ermittlungen von Erfolg gekrönt, darf er sich behaglich fühlen. Passieren Pannen, muss vor allem er den Kopf hinhalten. So war es im Fall Natascha Kampusch. Ein Hinweis unter Tausenden sei vermutlich falsch bewertet worden“, sagte er seinerzeit und zog sich damit den Spott österreichischer Gazetten zu, obschon er mit den Ermittlungen direkt überhaupt nicht befasst war.
Und dafür, aber auch für anderes ungereimt Anmutendes aus höchsten Polizeikreisen Wiens, das sich seit seiner Zugehörigkeit zum engsten Führungskreis um den jeweils amtierenden Innenminister zutrug hat er auch noch im unlängst eingerichteten parlamentarischen Untersuchungsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Dabei wird ihn in den kommenden Monaten der soeben in der niederösterreichischen Provinz ruchbar gewordene Fall von inzestuösem sexuellem Missbrauch, der alle Vorstellungskraft sprengt, nicht nur amtlich, sondern auch als Mensch und Vater beschäftigen.
Lang zog die Pfeile aller Neider auf sich
Dass er dies auf geradezu mitfühlende Weise bewerkstelligen kann, dafür hat der Polizeigeneral – in Österreich bekleiden sie dem Militär gleiche Ränge – bereits beredt Zeugnis abgelegt. Im November 2000 zeigte sich in Salzburger Landen, welche auch medialen Talente sich in den Sicherheitsbehörden verbergen. Da fiel ein souveräner Polizeimajor mit der höchst professionellen Aufklärung und Erklärung der bis dahin größten Katastrophe in der Geschichte der Zweiten Republik auf, der Katastrophe von Kaprun, bei der 155 Menschen in einer tunnelgeführten Seilbahn qualvoll verbrannten.
Wer wie Lang so sehr beeindruckte, dass er damit automatisch ins Gesichtsfeld des damals in Wien neu ins Amt gelangten Innenministers Ernst Strasser geriet, der zieht die Pfeile aller Neider auf sich. Strasser (ÖVP) holte Lang nach Wien und übertrug ihm die Leitung jener von parteipolitisch anders orientierten Spitzenbeamten – das waren die meisten in dem seit 1945 stets von SPÖ-Ministern geführten Haus – befehdeten Team04“-Gruppe, welche die Jahrhundertaufgabe“ der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie konzipierte und schließlich ins Werk setzte.
Zum General befördert
Lang geriet ins Schussfeld von Personalvertretern und der damals in der Opposition befindlichen SPÖ, die dem Minister massive Umfärbungsaktionen vorwarfen und Lang als Strassers Erfüllungsgehilfen sahen. Doch die Reform wurde unter Strassers Nachfolgerin Liese Prokop umgesetzt, die Gendarmerie gibt es nicht mehr.
Lang freilich stieg weiter auf: Er wurde zunächst zum Brigadier, dann zum General befördert. Schließlich übertrug man ihm die Leitung des BKA. In dieser Funktion ist der Vater zweier Söhne und einer Adoptivtochter, der am 14. November 50 wird, nunmehr für den alles Dagewesene in den Schatten stellenden, damit aufwühlendsten Fall der österreichischen Kriminalgeschichte letzt zuständig, der die Menschen weit über die Alpenrepublik hinaus fassungslos macht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS