Fernsehen

Elisabeth Volkmann tot aufgefunden

28. Juli 2006 Sie war eine „Ulknudel“, aber auch ernsthafte Darstellerin und beliebte Synchronsprecherin: Mit 70 Jahren ist Elisabeth Volkmann gestorben. Beamte von Polizei und Feuerwehr entdeckten sie am Donnerstag abend tot im Flur ihrer Wohnung in der Nähe des Münchner Stachus, nachdem eine mit der Schauspielerin befreundete Journalistin der Illustrierten „Bunte“ aus Sorge Alarm geschlagen hatte. Laut Obduktionsergebnis starb Volkmann eines natürlichen Todes. Der genaue Todestag konnte noch nicht festgestellt werden. Da sie zuletzt am Dienstag nachmittag gesehen wurde, liege der Todeszeitpunkt zwischen diesem Zeitpunkt und dem Donnerstag abend, teilte die Polizei mit.

Volkmann war vor allem durch die Klamaukserie „Klimbim“ bekannt geworden. Die von 1973 bis 1978 in der ARD ausgestrahlte Serie gilt als erste große deutsche Comedyshow und hat inzwischen Kultstatus erlangt. Als Jolanthe von Scheußlich spielte Volkmann in offenherzigem Mieder die Mutter der „Klimbim“-Familie, zu der auch Ingrid Steeger, Horst Jüssen, Wichart von Roell und Peer Augustinski gehörten.

„Klimbim“-Kollege von Roell geschockt

WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf erklärte, Volkmann habe entscheidend zum Erfolg von „Klimbim“ beigetragen. „Bewundernswert war der Mut von Elisabeth Volkmann, sich auf diese Rolle einzulassen.“ Sie habe Vieles verkörpern müssen, was eigentlich schauspielerischem Ego zuwiderlaufe: Mut zur Übertreibung, Mut zum Übermaß. „Das machte sie mit so großer Bravour, daß dies die Rolle ihres Lebens wurde.“

Volkmanns „Klimbim“-Kollege von Roell - er spielte den Großvater - zeigte sich geschockt. „Das kam ja plötzlich, wir waren ja noch im vergangenen Jahr mit dem Theaterstück 'Die Klimbim-Familie lebt' auf Tournee“, sagte der Schauspieler. Er habe eine fast freundschaftliche Beziehung zu Volkmann gepflegt. Der Schauspielerin habe der Tod ihres Anfang 2004 an Lungenkrebs verstorbenen zweiten Mannes und Managers Eberhard Radisch „sehr zugesetzt“. Auch die körperliche Kraft der lange unter Rückenproblemen leidenden Schauspielerin habe nachgelassen, auf eine zweite Tournee mit dem „Klimbim“-Theater habe sie deshalb verzichten müssen.

Die Stimme von Marge Simpson

Unklar blieb lange Zeit das Alter der in Essen geborenen Schauspielerin. Diese hatte sich selbst sechs Jahre jünger gemacht, erst die Polizei korrigierte ihr Alter auf 70 Jahre. Volkmann hatte vor „Klimbim“ einen Publikumserfolg in den Sexfilmen der frühen siebziger Jahre wie „Seitensprung-Report“ und „Hausfrauen-Report“. Nach der Klamaukserie spielte sie später auch ernsthafte Rollen. Für den Regisseur Rainer Werner Fassbinder stand sie in „Lili Marleen“, „Lola“ und „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ vor der Kamera. 1992 gelang ihr mit der Satire „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling ein Kinocomeback, im Fernsehen hatte sie zuletzt einige kleinere Rollen.

Ihren letzten großen Erfolg hatte Volkmann als Synchronsprecherin: Sie war die deutsche Stimme der Marge Simpson und von deren Zwillingsschwestern Patty und Selma in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“.



Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Creaps, Cinetext/Groeneveld, ddp, dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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