Der neue Barnabas

Lerchenberg auf den Nockherberg?

Von Alexander Westhoff

Letztes Jahr durfte er noch den Stoiber geben: Michael Lerchenberg

Letztes Jahr durfte er noch den Stoiber geben: Michael Lerchenberg

11. September 2007 Eine zentrale Position im politischen Machtgefüge Bayerns ist offenbar neu besetzt worden. Laut „Bild“-Zeitung soll das kongeniale Stoiber-Double Michael Lerchenberg neuer satirischer Potentat auf dem Münchner Nockherberg werden, wo alljährlich im März die politische Klasse „derbleckt“, also veralbert, wird.

Die traditionelle Fastenpredigt gilt bei der bayrischen Politprominenz seit jeher als Gradmesser, wie es um den Zustand ihrer Karriere bestellt ist. Seit 1989 schon imitierte Lerchenberg beim Singspiel auf dem Nockherberg den bayerischen Ministerpräsidenten. Die Agentur, die den Schauspieler und Theaterintendanten aus Dachau betreut, weiß indes nichts vom möglichen Aufstieg Lerchenbergs auf den kabarettistischen Olymp des Freistaates. Er mache eine Schiffsreise und sei nicht zu erreichen, heißt es.

Paulaner bevorzugt Prediger in Mönchskutte

Wenn der 54 Jahre alte Familienvater der Auserwählte sein sollte, müsste er aber spätestens an diesem Mittwoch wieder in München sein. Die Paulaner-Brauerei, aus deren Haus das auf dem Nockherberg ausgeschenkte Salvator-Starkbier stammt, will dann den neuen Fastenprediger offiziell vorstellen.

Beim Starkbieranstich 2007 hatte der Kabarettist Django Asül den Politikern die Leviten gelesen, wurde aber nach nur einem Jahr geschasst. Nach offizieller Lesart weil Paulaner einen Fastenprediger in der Mönchskutte des Bruder Barnabas bevorzugt. Asül trat im Gegensatz zu seinen Vorgängern im schwarzen Anzug ans Pult.

Ausschlaggebend, glauben viele, sei aber der besondere Schärfegrad von Asüls Rede gewesen, die viele Zuhörer entzückte und manchen sauer aufstieß - was aber nicht am mit 7,8 Prozent Alkohol und 18,8 Prozent Stammwürze versetzten Starkbier lag. So setzte der Niederbayer mit türkischen Wurzeln den CSU-Generalsekretär Söder auf eine „Schleimspur“ und ernannte den Landesgruppen-Vorsitzenden Peter Ramsauer zum „Ochsenluder“ der Partei.

Text: F.A.Z., 11.09.2007, Nr. 211 / Seite 9
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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