13. Februar 2006 Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat Teile seiner Karnevalsrede als neuer Ordensritter wider den tierischen Ernst abgeschrieben. Merz sagte am Montag, er habe einige Gedanken aus einem fremden Text übernommen. Ein Textvergleich zeigt, daß er vereinzelte Sätze aus einem Beitrag im Internet-Satiremagazin zyn.de fast wörtlich übernommen hatte. Der Text war ihm nach eigenen Angaben zugeschickt worden.
Merz betonte, er habe die Rede selbst geschrieben und bekomme viel Zustimmung dafür. Der Politiker hatte den Orden am Samstag in einer Festsitzung für Humor und Menschlichkeit erhalten.
Sekretärin der Bielefelder Uni
Autorin des Internet-Beitrags ist die Bielefelder Universitäts-Sekretärin Monika Rieboldt, die ihn nach eigenen Angaben für das Online-Magazin geschrieben hatte. Er gibt ein fiktives Interview mit dem ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer wieder, der als Bundeskanzler auf seine Regierungserfolge zurückblickt.
Jeder gute Witz wird zweimal erzählt. Es kommt immer darauf an, wer ihn erzählt und wie, sagte AKV-Präsident Dieter Bischof. Wenn Friedrich Merz etwas zugeschickt worden sei, dann dürfe er es auch verwenden.
Umsonst statt kostenlos
Merz verwendete den Satire-Beitrag in seiner Ritterrede als Vorlage für sein Elf-Punkte-Programm für Deutschland. Darin zeigte er angebliche Wege aus der Krise auf: Abschreibung Mecklenburg-Vorpommerns als Totalverlust, Sanierung des Bundeshaushalts durch den Verkauf deutscher Schulden an einen amerikanischen Pensionsfonds und die Erhebung von Gebühren für Auftritte von Politikern.
Roberto Blanco singt bei der Einweihung eines Baumarkts ja auch nicht kostenlos, hieß es in dem Internet-Beitrag. In der Merz-Rede wurde das Wort kostenlos durch umsonst ersetzt. Auf ähnliche Weise waren zahlreiche Sätze des Satire-Aufsatzes mehr oder weniger stark verändert in der Rede von Merz aufgetaucht.
Tierisch ernst
Er wußte nach eigenen Angaben nicht, daß der Text bereits veröffentlicht war. Er habe ihn zugeschickt bekommen. Aber selbst wenn ich es gewußst hätte: Es gibt keine Rede auf dieser Welt, in der alles neu ist. Und gerade im Karneval wird mancher Witz auch zweimal erzählt, sagte er. Wenn sich jemand durch seine Rede beschwert fühle, bedauere er das. Das ist geistiger Diebstahl. Er hätte mich fragen können, gab sich Autorin Rieboldt tierisch ernst. Sie werde von ihrem Anwalt prüfen lassen, inwieweit ihre Autorenrechte betroffen seien.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: REUTERS