Sarkozy solo

Au revoir, Cécilia - bonjour tristesse

Von Michaela Wiegel, Paris

18. Oktober 2007 Ségolène Royal wartete einen Wahlabend ab, ihre Trennung vom Parteivorsitzenden François Hollande bekanntzugeben. Nicolas und Cécilia Sarkozy wählten den „schwarzen Donnerstag“, den Streiktag, um die Nachricht von ihrer Scheidung zu bestätigen, die nach Angaben ihrer Anwältin bereits am vergangenen Montag von einer Familienrichterin in Nanterre vollzogen worden ist. Inzwischen sind die Franzosen daran gewöhnt, dass die Liebesgeschichten ihrer Politprominenz so enden wie in einem Song der Band Rita Mitsouko: schlecht.

Sarkozy ist der erste Staatspräsident der V. Republik, der sich während seiner Amtszeit scheiden lässt. Die Franzosen wissen aus zahlreichen Büchern nur zu gut, dass die meisten Präsidenten ihnen eine Ehefarce vorgelebt haben. Dementis von den Betroffenen gab es nie. Giscard d'Estaing etwa hatte einen Auffahrunfall, als er nachts von einer Geliebten heimkam. Mitterrand unterhielt auf Staatskosten seine Zweitfamilie; die außereheliche Tochter Mazarine sonnt sich noch heute im Ruhm ihres Vaters in Talkshows. Über Chirac, der in der Nacht von Prinzessin Dianas Unfalltod unauffindbar war, sagte Bernadette Chirac in ihren „Conversations“: „Scheidung kam für mich nicht in Frage. Aber Gründe gab es genug.“

Erfolgreiche Anwältin

Sarkozy muss sich nicht vorhalten lassen, dass er den Franzosen seine Ehekrisen vor seiner Wahl verheimlicht hätte. Nach der ersten Trennung von Cécilia gestand er öffentlich: „Wie viele französische Familien haben wir Schwierigkeiten.“ Das war im Frühjahr 2005, Cécilia war gerade in den Werbefachmann Richard Attias verliebt, der seine Frau - eine erfolgreiche Anwältin - und Kinder für sie sitzenließ. Das Techtelmechtel dokumentierte „Paris Match“ auf der Titelseite. Sarkozy ließ den Chefredakteur feuern und tröstete sich mit der „Figaro“-Journalistin Anne Fulda. Im Wahlkampf tauchte Cécilia wieder auf. Aber sie wachte nicht mehr wie früher über jeden Schritt ihres Mannes, sie absolvierte ein Pflichtprogramm.

Bei der Stichwahl, als ihr Mann seinem Präsidententraum so nah wie nie war, verweigerte sie ihm ihre Stimme. Am Wahlabend tauchte sie erst sehr spät an der Place de la Concorde auf und wirkte entrückt. Ihr Mann hingegen überrumpelte sie stets mit öffentlichen Komplimenten, wie bei ihrem letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt am Nationalfeiertag, dem 14. Juli. Über die Libyen-Mission Cécilia Sarkozys hatte Daniel Cohn-Bendit gelästert, es handele sich um eine „Ehetherapie auf hohem Niveau“. Für den Präsidenten Sarkozy wird sich in der Amtsausübung wenig ändern. Cécilia stand ohnehin nicht zur Verfügung für Staatsbankette und gesellschaftliche Auftritte: „Das ödet mich an“, hatte sie früh gewarnt. Die Schriftstellerin Yasmina Reza lässt Sarkozy zum Ende ihres Buches sagen, dass Liebesgeschichten nicht mit Willenskraft gebändigt werden können - anders als die Politik.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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