Von Jürg Altwegg
13. Februar 2008 Wer würde das erste Interview mit der neuen First Lady bekommen? Carla Bruni hat es einem alten Freund und publizistischen Förderer gewährt, Christophe Barbier, dem Chefredakteur des L'Express. Das Nachrichtenmagazin ist ein Konkurrent des Nouvel Observateur, und dieser wiederum ist Gegenstand der ersten strafrechtlichen Klage eines Staatspräsidenten der Fünften Republik gegen ein Medium. Es geht um die SMS an Cécilia sechs Tage vor der Heirat mit Carla: Wenn du zurückkommst, sage ich alles ab.
Man kann Carla Brunis Verärgerung verstehen. Und nachvollziehen, dass zumindest sie an Sarkozys Beteuerung, es handle sich um eine Fälschung, glauben will. Die Untersuchung läuft, der Nouvel Observateur scheint für den Beweis der Echtheit der Nachricht gewappnet zu sein. Ob es sehr elegant war, die Geschichte zu veröffentlichen, ist eine andere Frage. Die nun von der Betroffenen selbst beantwortet wird.
Das Interview als Kommentar zur Klage Sarkozys
Carla Bruni unterstellt dem Nouvel Observateur Methoden wie zur Zeit der Kollaboration unter Vichy und den deutschen Besatzern. Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie Bruni-Tedeschi, die aus Angst vor den Roten Brigaden aus Italien nach Paris ins Exil ging, ihr Schicksal mehr oder weniger indirekt mit jenem der Juden eine Generation zuvor vergleicht.
Die SMS hat nun ganz offensichtlich bewirkt, dass Carla Bruni ihr erstes großes Interview viel früher gab als wohlweislich geplant war. Es ist der Kommentar zur Klage von Sarkozy und - auch dank der Komplizenschaft des Express - gründlich misslungen. Noch bevor es gedruckt war, musste sich Carla Bruni für den Vichy-Vergleich entschuldigen. L'Express kommt mit dem Interview heute an den Kiosk.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Reuters
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