Humor

Immer niedlich, immer harmlos

Martina Werner

Martina Werner

07. März 2008 Martina Werner ist die einzige Redakteurin des Satiremagazins „Titanic“. Sie ist gerne einmal bösartig und mag intelligente Zoten. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März erklärt sie, warum sie sich bei Müttern einen Maulkorb verpasst.

Fühlen Sie sich manchmal als Außenseiterin unter all den Männern in ihrer Redaktion?
Nein, glücklicherweise arbeiten wir hier die meiste Zeit als Neutren. Wir hätten übrigens gerne mehr Frauen bei der „Titanic“, wir würden weibliche Bewerber sogar bevorzugen, wenn es sie denn gäbe.

Wieso wollen Frauen nicht für Sie arbeiten?
Zumindest haben sie offensichtlich eine Scheu vor der Arbeit bei einem Satiremagazin. Sie denken fälschlicherweise, bösartig zu sein sei unweiblich. Bei vielen Witzen haben sie Berührungsängste, das Brachiale verträgt sich eben nicht mit dem landläufigen Bild einer Frau.

Aber es muss doch auch Frauen geben, die Sie zum Lachen bringen.
Witzige Frauen sind eher Mangelware. Die Einzige, die mir von den prominenten Namen einfällt, ist Cordula Stratmann. Die meisten Frauen aber vertreten den typisch weiblichen Humor, die gehen mir nicht weit genug.

Was macht diesen weiblichen Humor aus?
Er ist vor allem harmlos. Lesen Sie mal in Frauenzeitungen die „witzigen“ Essays. Da wird dann von Männern erzählt, die ihre schmutzigen Socken nicht in den Wäschekorb werfen.

Woran liegt das?
Viele Frauen sind leider durch Bücher von Hera Lind oder Amelie Fried oder durch Fernsehauftritte von Anke Engelke oder Barbara Schöneberger humorsozialisiert. Sie fürchten sich davor, ein Attribut der Weiblichkeit zu verlieren, wenn ihr Witz nicht niedlich und freundlich ist.

Eine Frage des Angebots oder der Nachfrage?
Ich denke, vielen Frauen reicht dieser kultivierte Humor. Manche haben richtiggehend Angst davor, witzig zu sein, weil sie denken, auf Männer wirke das abschreckend. In Statistiken heißt es immer, Frauen stünden auf humorvolle Männer. Dass auch Männer witzige Partnerinnen schätzten, steht dort aber nicht. So überlassen Frauen die Zoten lieber den Männern.

Stehen Sie denn auf Zoten?
Durchaus. Eines meiner Lieblingstitelbilder hier war etwa das mit der nackten Frau, die sich lasziv Wasser über ihren Körper kippt. Darunter stand: „Frauen zu doof zum Trinken“.

Wie wirkt dieser Humor denn in Ihrem privaten Umfeld?
Auch da merke ich einen geschlechtsspezifischen Unterschied, wenn Freundinnen etwa von meinen pornografischen Witzen in der „Titanic“ geschockt sind oder Männer mir diese Art Humor nicht zutrauen. Ein anderes Beispiel sind die alten „Titanic“-Titel, die in meiner Wohnung hängen. Wenn wir Besuch bekommen, lachen immer nur die Männer über die Bilder.

Weil Frauen sie nicht witzig finden?
Weil sie sie nicht verstehen. Vielen Frauen fehlt das politische Grundwissen für das Lesen eines Satiremagazins. Deshalb hat die „Titanic“ auch überwiegend männliche Leser. Am humorlosesten sind übrigens Mütter. Ich habe selbst ein Kind und verbringe daher zwangsläufig viel Zeit mit anderen Müttern. Wenn es um ihre eigenen Kinder geht, hört der Spaß bei denen auf. Bissige Witze sind hier nicht gefragt, da verpasse ich mir oft einen Maulkorb.

Mussten Sie sich schon immer auf die Zunge beißen?
Meine Art von Humor hatte ich auch schon vor der Zeit bei der „Titanic“. Aber ich bin in den elf Jahren, die ich hier arbeite, wohl schon etwas vermännlicht, was Witz angeht. Ich kann mich erinnern, dass ich früher mehr Vorbehalte gegenüber manchen Themen hatte.

Zum Beispiel?
Etwa nach dem Tod von Prinzessin Diana. Meine Kollegen wollten gleich eine Spezialausgabe machen, mit Dianagotchi und so. Ich fand, das könne man doch nicht machen, die Frau sei gerade gestorben, die habe Kinder, die Welt weine. Da hat sich eine falsche Rücksichtnahme gezeigt, die Frauen von klein auf anerzogen wird. Zum Glück haben mich meine Kollegen überstimmt.

Die Fragen stellte Martin Wittmann



Text: F.A.Z.

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