20. Mai 2008 Thomas Godoj hat sich dafür ausgesprochen, dass nicht nur nach Sympathie, sondern auch nach Leistung bewertet wird. Er hat das Wort ehrlich sehr oft benutzt, seine Eltern seine zwei Helden genannt und zugegeben, wie peinlich es ihm ist, von Hartz IV zu leben.
All das hat der 30 Jahre alte Studienabbrecher aus Recklinghausen in den kurzen Videoclips untergebracht, die RTL in den vergangenen drei Monaten vor seinen Gesangsauftritten beim Castingformat Deutschland sucht den Superstar sendete. Am Samstagabend schließlich ist Thomas Godoj übriggeblieben als neuer Superstar - einer von 30.000, die sich bei der RTL-Show beworben hatten.
Sein Thema war Hartz IV
Gewählt hat ihn das Publikum. Wie viele Zuschauer absolut für ihren Kandidaten anriefen, gibt RTL nicht preis. Sicher ist aber, dass bis zu 6,5 Millionen Zuschauer beim Finale einschalteten, als Rocker Godoj gegen den Schmusesänger Fady Maalouf antrat. In der begehrten Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer konnte die entscheidende letzte Sendung ganze 30 Prozent des Fernsehpublikums für sich verbuchen. 62 Prozent der Anrufe während der Finalshow, vermeldet der Sender, galten Thomas Godoj. Und seitdem RTL auch die Anruferquoten der neun Shows zuvor bekanntgegeben hat, ist klar: Thomas Godoj war von Anfang an der Favorit des Publikums. Zwischen 40 und 53 Prozent der Zuschauerstimmen entfielen während jeder Show auf ihn. Seine anfangs 14 Mitkandidaten mussten sich mit Bruchteilen zufriedengeben und flogen nach und nach aus dem Rennen.
Jeder der jungen Sänger hatte eine Geschichte zu erzählen: Ein dickes Kind gewesen, vom Vater verlassen oder ausgegrenzt von den Gleichaltrigen. Thomas Godoj, der älteste der Teilnehmer, hielt sich mit solcherlei privaten Kränkungen nie auf: Seine Geschichte hieß von Anfang an Hartz IV. Er stehe momentan auf'm Schlauch und habe keinen Plan B, sagte Godoj bereits bei seiner Castingteilnahme. Seine Fans druckten daraufhin T-Shirts mit der Aufschrift Ohne Plan B und zementierten damit das Motto, unter dem der Sänger fortan auftrat.
Genau der Richtige
Godoj, dessen Eltern Mitte der achtziger Jahre aus Polen nach Deutschland übersiedelten, ist vielleicht kein typischer Hartz-IV-Empfänger, aber doch ein Beispiel dafür, wie heterogen und weitgefasst die Gruppe der auf Hartz IV Angewiesenen mittlerweile ist. Nach dem Fachabitur machte er eine Ausbildung zum technischen Zeichner und brach dann nach acht Semestern ein Studium im Fach Bauwesen ab, um doch noch Musiker zu werden. Mehrere Band-Projekte scheiterten, bevor seine Mutter ihn überredete, bei Deutschland sucht den Superstar vorzusingen.
Die Eltern unterstützten ihn auch während der Show nach Kräften: Dass er so viele Verehrerinnen hat, das ist mir sehr neu, sagte die Mutter einem Kamerateam in ihrer Recklinghauser Wohnung. Godojs Sympathiewerte stiegen durch solche Fürsprache immer weiter. Beim berüchtigten Casting hatte man anfangs noch einen nachdenklichen Dieter Bohlen erlebt: Du siehst nicht gerade aus wie einer from the sunny side of town. Dass so einer für seine Show genau der richtige sein könnte, muss Bohlen aber schon damals geahnt haben.
F.A.Z. / huch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa
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