Von Bernhard Heimrich
11. Februar 2005 Als die Briten zum letztenmal gefragt wurden, ob Prinz Charles und Camilla Parker Bowles heiraten sollten, waren 32 Prozent dafür, 29 Prozent dagegen, und dem Rest war es gleichgültig. Die Probe aufs Exempel sollte noch ein Jahr auf sich warten lassen, aber dafür wird es jetzt um so abrupter ernst. Der Ernstfall ist nicht etwa die etwas gewundene Zeremonie für das nicht mehr ganz junge Paar in der Kapelle von Schloß Windsor am 8. April, sondern die Wirkungen, die dieser Akt für die ganze königliche Familie entfalten kann, ja vielleicht für die Monarchie und die Verfassung des Landes.
Westminster hatte schon gewittert, daß sich um den Aschermittwoch etwas zusammenbraute. Die ganz Schlauen hatten geflüstert, Premierminister Blair wolle für April Parlamentswahlen ausrufen lassen. Aus dem Wahl-Blitz wurde am Donnerstag morgen ein Camilla-Blitz, und das Donnergrollen danach fängt überhaupt erst an.
Minenfeld höfischer Politik
Nach der Ankündigung von Clarence House, der Residenz des Thronfolgers, soll die Trauung als zivile Zeremonie ausgerichtet werden, der eine Art Andacht und Zueignung folgt, zelebriert vom Erzbischof von Canterbury. Von da an werde Frau Parker Bowles "Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Cornwall". Sollte Prinz Charles in der Fülle der Zeit König werden, werde sie nicht "Queen", sondern "Königsgemahlin".
Diese dürre Mitteilung ist in Wahrheit ein Minenfeld höfischer Politik. Die Zeremonie ist einer von mehreren möglichen Kompromissen, und jede Lösung hätte unbekannte Risiken und Nebenwirkungen gehabt. Die anglikanische Kirche, deren oberster Schirmherr König Charles einmal werden soll, mißbilligt die Wiederheirat von Geschiedenen, solange der Partner noch lebt; und Mister Parker Bowles, der diskrete Parallel-Ehemann von einst, lebt noch.
Prinzessin Anne hatte ein ähnliches Dilemma gelöst, indem sie in einer schottischen Kirche wiederheiratete. Die schottische Schwester der Kirche von England untersteht ebenfalls der Königin, ist aber großzügiger. Im Fall des Thronfolgers hätte das freilich wie eine billige Ausflucht ausgesehen. Deshalb läßt Charles sich nicht eine kirchliche Trauung richten, sondern nur einen Gebetsreigen, und zwar in der Hauskapelle der Mutter in deren Schloß Windsor. Die zivile Eheschließung könnte freilich bedeuten, daß auch das Parlament sich äußern muß. Die Vorstellung, aus diesem Anlaß könnte das Unterhaus im Fieber eines beginnenden Wahlkampfs eine Grundsatzdebatte über die Monarchie vom Zaun brechen, dürfte nicht nur den Hofstaat um den Schlaf bringen.
Parlament muß den Titel ratifizieren
Dasselbe gilt für den Titel, den die Königin ihrer neuen Schwiegertochter umhängt. Camilla wird "Königliche Hoheit" mit Anspruch auf den Hofknicks von allen Frauen des Reichs außer der Schwiegermutter. Das hat man ihr also doch gewährt. Aber dafür wird sie am 8. April nicht "Prinzessin von Wales". Offenbar hat der Hof geahnt, daß man damit einen Aufruhr riskieren würde. Denn in überraschend vielen Erinnerungen britischer Untertanen ist noch immer der Satz der wahren "Prinzessin von Wales" eingegraben: "In unserer Ehe hat es drei gegeben."
Freilich heilt auch hier die Zeit, und heute gilt als Faustregel, nur die Leute über vierzig hätten es Charles und seiner Mutter nicht verziehen, wenn sie eine neue "Prinzessin von Wales" und eine "Königin Camilla" installiert hätten. Die Jüngeren hätten es vermutlich weder verziehen noch nachgetragen, denn für diesen ganzen Mummenschanz haben sie sowieso keine Zeit. Nach der Regel aber hätte die Mätresse Camilla, die Urenkelin der Mätresse Alice, die einst einen anderen Prinzen von Wales nebenher versorgt hatte, mit der Heirat aber automatisch "Prinzessin von Wales" werden müssen.
Auch diese Ausnahme verlangt vielleicht noch juristische Feinarbeit. "Königsgemahlin" statt "Queen" kann sie nach ersten Auskünften aber nur werden, wenn das Parlament diesen Titel ratifiziert. Das gilt auch für die Staaten des Commonwealth, deren Oberhaupt König Charles würde. So wird der 8. April 2005 in der Kapelle von Windsor zwar nur ein verdruckstes Ebenbild der glorreichen Hochzeit vom 29. Juli 1981 in der St.-Pauls-Kathedrale von London; doch es ist immer noch eine Heirat im Weltmaßstab.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2005, Nr. 34
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS