Carla Bruni

„Nimm Dich in Acht“

Von Michaela Wiegel, Paris

09. Juli 2008 Als wäre nichts gewesen. Plötzlich ist www.carlabruni.com zu Leben erwacht. Jetzt haucht eine rauchige Stimme aus dem Computer mal freche, mal melancholische Lieder. „Nimm Dich in Acht, ich bin Italienerin“, singt die Bruni, und es wird wohl keinen Franzosen geben, der bei diesen Worten nicht an seinen Staatspräsidenten denkt.

Carla Bruni, 40 Jahre alte französische Neubürgerin und Première Dame, hat einen phantastischen Marketingcoup mit ihrem neuen Album „Comme sie de rien n'était“ („Als wäre nichts gewesen“) gelandet. Noch bevor die CD am 11. Juli auf den Markt kommt (der Verkaufsstart wurde um 10 Tage vorgezogen) hat Plattenfirma Naive das Werk der First Lady am Mittwoch zum kostenlosen Abhören ins Internet gestellt. Da mag Präsident Sarkozy noch so viele Kommissionen zur Bekämpfung der Internet-Piraterei einsetzen - Carla Brunis Stimmchen gibt's gratis.

„Ich rauche zu viel“

Überhaupt wird der Erlös aus den CD-Verkäufen der gemeinnützigen Stiftung Fondation de France zugehen. Damit reiht sich Carla Bruni-Sarkozy in die Ahnengalerie ihrer Vorgängerinnen im Elysée-Palast ein, die wie Claude Pompidou oder Bernadette Chirac zugunsten der Fondation de France wirkten. Im Staatsfunk France Inter verteidigte sich Carla Bruni am Mittwoch wortreich, warum sie an ihrem Beruf Sängerin festhält. „Aber ich will künftig mehr Zeit meinen Aufgaben als Präsidentengattin widmen“, versprach sie. Dann spielte „France Inter“ „Le temps perdu“ („Die verlorene Zeit“) und „L'amoureuse“ („Die Verliebte“). Die Stimme der Bruni ist seit ihrem ersten Erfolgsalbum „Quelqu'un m'a dit“ nicht kräftiger geworden. Sie raucht zu viel, sagt sie selbst, „aber es ist so schwer, damit aufzuhören“.

Die Kritiker haben sich bislang schwer getan. Entweder jubelten sie aus Prinzip, wie der konservative „Le Figaro“ („eine reife Künstlerin!“). Oder sie meckerten aus Prinzip, wie der linke „Nouvel Observateur“ („harmlos, langweilig, banal“). Richtig gemein war nur der Schweizer „Hebdo“, der Carla Bruni einen „bling-bling“-Stil vorhielt. „Sie können Carla Bruni lieben, ohne ihren Mann zu mögen“: Das sollte auf den Stickern stehen, die Naive auf das CD-Cover kleben wollte, auf der Carla Bruni am Ufer eines Sees zu sehen ist. Es ist nicht leicht Gattin dieses Präsidenten zu sein, das weiß auch die Sängerin, die damit kokettiert. „Ich bin mir bewusst, was diese Situation für Unruhe hervorruft, weil sie auch in mir Unruhe hervorruft“, sagt Carla Bruni. Aber sie findet es schon gut, dass es den Sticker doch nicht gibt.

Die Welt der konservativen Leute

„Es gibt eine Welt, die mir total fremd war, die Welt der konservativen Leute, die komplett schockiert darüber waren, dass da ein Mädchen auftaucht, das nicht französisch ist, nicht verheiratet, die ein Kind hat“, sagt sie über ihre ersten Erfahrungen im Elysée-Palast. Der Linkszeitung „Libération“ sagt sie: „Niemand muss verschmelzen mit der Politik oder mit seinem Ehemann.“ Sie habe ihm „ihr Universum“ mit ihn die Ehe gebracht, und er seines. Ihr „Universum“ besingt sie recht frei heraus, etwa so „Ich bin ein Kind, trotz meiner 40 Jahre, trotz meiner 30 Liebhaber“.

Die Texte hat sie sich alle selbst ausgedacht, bis auf wenige Ausnahmen. „Die Möglichkeit einer Insel“ stammt aus der Feder von Michel Houellebecq, dessen „Desillusionismus“ sie bewundert. Sagt sie zumindest in der Wochenzeitung „VSD“, in einem der vielen „Exklusivinterviews“, die sie in diesen Tagen gibt. Einen anderen Song hat sie mit Raphael Enthoven zusammen gedichtet, ihrem Ex-Kompagnon und Vater ihres Sohnes Aurélien. Ach ja, sie hätte gern auch ein Kind mit Sarkozy. „Sind sie schwanger?“, fragt „VSD“. „Nein, leider nicht. Ich glaube, ich habe am Bauch zugenommen, weil mir alle diese Frage stellen. Ich bin nicht schwanger, aber ich bedauere das, weil ich es gerne wäre. Wird es kommen? Das kann ich nur schwer sagen. Es ist schon schwieriger mit 40 Jahren als mit 25 Jahren.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

 
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