Mangas

Von süßen Ponys zu wilden Punks

Von Caren Langer

11. Mai 2008 Ponys über Ponys hat Christina Plaka gezeichnet, als sie noch klein war, schon im Kindergartenalter. Superhelden wie Spiderman und die X-Men faszinierten sie während der Grundschulzeit. Als sie zwölf war, sah sie dann zum ersten Mal japanische Comics in einer Buchhandlung und wusste: „So etwas will ich auch zeichnen - Mangas!“ Inzwischen ist sie 25 Jahre alt und hat vier Folgen und einen Sonderband ihrer Reihe „Yonen Buzz“ veröffentlicht. Mit diesen Mangas über eine Indie-Rockband war sie die erste professionelle Manga-Zeichnerin in Deutschland und wurde zum Star in der Szene.

„Meine Familie fand es allerdings nicht überraschend, dass ein Verlag mir einen Vertrag für meine Geschichten angeboten hat, obwohl ich gerade erst 18 Jahre alt war“, sagt die Offenbacherin. „Ich wollte ja immer schon Zeichnerin werden.“ Christina Plakas Eltern stammen aus Griechenland; sie selbst ist in Deutschland geboren. Weil sie von der japanischen Kultur begeistert war, die sie in den Mangas kennenlernte, fing sie schon als Teenager an, japanische Popmusik zu hören und selbständig Japanisch zu lernen. Nach dem Abitur begann sie, an der Uni Frankfurt Japanologie zu studieren. Ihr Traum wäre es, nach dem Abschluss bald vom Manga-Zeichnen leben zu können.

Die meisten Seiten sind schwarz-weiß

Das könnte sogar klappen, denn die Comics im japanischen Stil sind seit ungefähr zehn Jahren auch in Deutschland sehr beliebt. Den Anfang machte die Serie „Dragonball“, deren Übersetzungen als Erste in Deutschland wie die japanischen Originale von „hinten“ nach „vorne“ und von oben rechts nach unten links gelesen wurden. Auch Christina Plaka zeichnet ihre „Yonen Buzz“-Bücher so. Außerdem sind in ihren Mangas wie bei den japanischen die meisten Seiten schwarzweiß und nur wenige am Anfang farbig.

Figuren mit sehr großen Augen, aber kleinen Nasen und Mündern sind typisch für Mangas. Sie wirken niedlich, sehen aber nicht wie echte Menschen aus. „Ich wollte beim Zeichnen meinen eigenen Stil finden und habe meine Charaktere deshalb nach und nach realistischer dargestellt“, erzählt sie. In ihrem neuesten Buch sieht man zum Beispiel ein Punk-Mädchen mit Irokesenschnitt und Streifentop oder Jungs mit Sonnenbrille, Band-T-Shirt und zerrissenen Jeans. Vorbild für den Sänger der Band „Plastic Chew“, um die sich Christina Plakas Geschichten drehen, war Nirvana-Sänger Kurt Cobain. Das ist auch ihre Lieblingsband.

„Man muss einfach üben, üben, üben“

Weil sie Musik mag, spielt sie auch selbst Gitarre und singt dazu. Eine eigene Band hat sie aber noch nicht gegründet. „Dafür fehlt mir einfach die Zeit“, sagt sie. Vier Tage in der Woche geht Christina Plaka zur Universität, einen Tag nimmt sie sich zum Zeichnen. Außerdem trainiert sie im Verein Volleyball und Softtennis, muss für das Studium Referate vorbereiten, Hausarbeiten schreiben und möchte noch genug Zeit haben, um etwas zu unternehmen.

Weil sie nicht immer am Zeichentisch sitzen kann, dauert es ungefähr ein Jahr, bis ein neues Buch von ihr fertig ist. Alle Seiten - höchstens 192 dürfen es sein - zeichnet sie erst als Skizze mit Bleistift vor. Danach überträgt sie die Entwürfe mit Tusche auf spezielles, besonders weiches Manga-Papier aus Japan. Einen Zeichenkursus hat die Fünfundzwanzigjährige nie besucht. „Wenn man gut zeichnen lernen will, muss man einfach üben, üben, üben“, meint sie. „Wichtig ist es, die Proportionen des Körpers richtig darzustellen. Ich habe das zum Beispiel gelernt, indem ich einfach meine eigene Hand abgezeichnet habe.“

Fans, die Christina Plaka einmal treffen und vielleicht nach Tipps für eigene Zeichnungen oder die Karriere als Comic- oder Manga-Zeichner fragen wollen, haben auf Signierstunden ihres Verlags Tokyopop oder auch auf der Frankfurter Buchmesse gute Chancen. Weil jetzt auch in Deutschland so viele Menschen Mangas lesen, haben die Comics dort inzwischen sogar eine eigene Abteilung.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, Marcus Kaufhold

 

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