02. Juli 2009 Die britische Königin Elisabeth II. kommt nicht mehr mit den Zuschüssen aus, die ihr der Finanzminister jährlich zur Deckung ihrer Haushaltskosten überweist. Seit Jahren schon machen Bedienstete Ihrer Majestät auf den beklagenswerten Zustand der Schlösser und Bauten aufmerksam, in denen die Königin das Jahr verbringt. Die Schäden würden immer größer, weil der Jahreszuschuss zum Unterhalt von Buckingham Palace und Windsor Castle - umgerechnet rund 17 Millionen Euro, gezahlt aus dem Haushalt des Kulturministeriums - nicht ausreicht, um alle Reparaturkosten zu decken. Über dem Ballsaal von Buckingham Palace, in dem die Königin Staatsgäste bewirtet, ist das Blechdach undicht, und im Park von Windsor verfällt das Mausoleum, in dem Queen Victoria und ihr Gatte, Prinzgemahl Albert, ruhen.
Nun werden außerdem noch die Mittel knapp, aus denen die Königin ihr Personal und ihre laufenden Ausgaben bezahlt. Aus dieser sogenannten Zivilliste müssen die Ausgaben für Empfänge und Zeremonien bestritten werden - auch die Gurkensandwiches bei den sommerlichen Gartenpartys werden aus diesem Etat finanziert. Die Zivilliste, rund 9,5 Millionen Euro jährlich, wird seit 19 Jahren in einer unverändert hohen Summe an die Monarchin überwiesen.
Reservefonds aufgebraucht
Doch die Lohnkosten und die Unterhaltskosten sind seit jener Zeit nicht nur wegen der Inflation ständig gewachsen. 1990 hatte die Verwaltung des königlichen Haushalts mit der damaligen britischen Regierung unter Premierminister John Major eine Vereinbarung geschlossen, wonach die Zivilliste jeweils unverändert für zehn Jahre gezahlt und dann über ihre Höhe neu verhandelt werden solle. Diese langfristige Vereinbarung hatte den Zweck, der Monarchin die Unannehmlichkeiten einer jährlichen Kostendebatte zu ersparen.
In den ersten Jahren waren die Überweisungen höher als die tatsächlich angefallenen Ausgaben - der königliche Haushalt legte einen Reservefonds an. Doch mittlerweile lassen sich die Gehälter und die laufenden Kosten nur noch durch tiefe Griffe in diese Reserven decken. Die tatsächlichen Ausgaben der Zivilliste betrugen im vergangenen Jahr mehr als 16 Millionen Euro. Der Reservefonds ist nahezu aufgebraucht; 2010, wenn der nächste Verhandlungstermin über die Liste bevorsteht, wird der königliche Haushalt auf eine Erhöhung der Jahresrate von 9,5 Millionen Euro dringen müssen, die fast einer Verdoppelung gleichkommt.
Weniger als ein Liter Milch kostet
Der Finanzbuchhalter Ihrer Majestät, der den klingenden Titel Hüter der Privatschatulle“ trägt, rechnet immer wieder mit den gleichen Argumenten vor, dass die königliche Familie trotz der hohen Kosten auf jeden Fall ihr Geld wert sei. Die Monarchie koste jeden einzelnen Untertanen nur rund 80 Cent im Jahr - das sei weniger als ein Liter Milch, argumentiert Sir Alan Reid. In diesen Kosten - etwa 48 Millionen Euro im Jahr - sind außer den Ausgaben der Zivilliste und dem Unterhalt der Paläste auch die Reisekosten der Monarchin und ihrer Familienmitglieder zusammen. Alle diese Kosten entstehen allerdings entweder durch Staatsbesuche, die die Königin im Auftrag der Regierung erledigt, oder jedenfalls durch offizielle Verpflichtungen. Allerdings entstehen dabei durchaus stattliche Abrechnungen. Eine Fahrt der Monarchin im königlichen Salonzug von London nach Hull schlug mit rund 17.000 Euro zu Buche.
Kritiker der Monarchie wenden ein, dass ein Erster-Klasse-Billett im Vorverkauf für rund 70 Euro zu haben gewesen wäre. Doch könnte die Königin ihrerseits gegenüber der Regierung und dem Steuerzahler auch eine Gegenrechnung aufmachen: Die Einnahmen aus dem Grundbesitz und aus Immobilien der Krone fließen keineswegs ihrem eigenen Vermögen zu, sondern werden komplett dem Fiskus überwiesen. Im vergangenen Jahr waren das mehr als 100 Millionen Euro; also gut das Doppelte dessen, was die Königin vom Staat für ihre Repräsentationspflichten bekommt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS