Streit beigelegt

Sarkozy zieht Anzeige in SMS-Affäre zurück

19. März 2008 Die Affäre ist erledigt, zumindest juristisch: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat die Strafanzeige gegen ein Magazin zurückgezogen, das über eine vermeintliche SMS des Staatschefs an seine frühere Frau Cécilia berichtete. „Wenn Du zurückkommst, sag' ich alles ab“, funkte Sarkozy dem Artikel zufolge acht Tage vor seiner Hochzeit mit Carla Bruni an seine Ex.

„Mein Mann hat seine Anzeige zurückgezogen“, schrieb Bruni nun in der Zeitung „Le Monde“ (Donnerstagsausgabe). Der Grund: Der Journalist Airy Routier entschuldigte sich in einem Brief bei der neuen Frau des Präsidenten. Allerdings blieb er bei seiner Position, die Handybotschaft sei echt.

Bruni war tief getroffen

Die Affäre sorgte Anfang Februar für großes Aufsehen. Der vom Onlinemagazin „nouvelobs.com“ veröffentlichte Artikel verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Sarkozy tobte vor Wut, Carla Bruni war tief getroffen, und ganz Frankreich lachte sich ins Fäustchen. Routier bezeichnete Sarkozys Strafanzeige wegen Verbreitung falscher Tatsachen vom 7. Februar, der ersten eines Staatschefs gegen ein Presseorgan, als Versuch, alle Journalisten einzuschüchtern.

Carla Bruni rief in ihrem Namensartikel zum „Ende der Heuchelei“ auf und las Routier und „nouvelobs.com“ die Leviten. Es gehe nicht um den Schutz der Privatsphäre oder die Existenz der SMS. „Was beunruhigend und unredlich ist, ist, dass die 'Information' nicht bestätigt oder überprüft und trotzdem als Tatsache verkauft wurde.“ Es sei „gefährlich, Gerüchten den Vorrang vor Informationen zu geben“.

Der Journalist steht zu seiner Meldung

Routier schrieb aus eigenem Antrieb einen privaten Brief an die Première Dame. „Es tut mir Leid, nicht ermessen zu haben, wie sehr ich Sie mit dem Artikel hätte verletzen können.“ Anders als am Morgen vom Radio verbreitet, habe er „seine Position über die Echtheit der SMS aber nicht geändert“, hieß es in einer von „nouvelobs.com“ veröffentlichten Stellungnahme. Darin warf er Bruni vor, seinen Brief publik gemacht und dessen Inhalt verdreht zu haben. Routiers Mutterblatt „Nouvel Observateur“ erklärte, auch wenn man weiter hinter dem Reporter stehe, hätte man die „Indiskretion“ niemals veröffentlichen dürfen.

Routier hat die vermeintliche SMS nie gesehen. Das gab er in polizeilichen Vernehmungen an. Er berief sich auf „zuverlässige mündliche Quellen“, über die er nie genaue Angaben machte. Cécilia Ciganer-Albéniz dementierte gegenüber den Ermittlern den Empfang der Handy-Botschaft.

Sarkozy und seine zweite Frau ließen sich im Oktober nach zwanzig Ehejahren scheiden. Der Staatspräsident lernte einen Monat später das Exmodell Carla Bruni kennen, am 2. Februar gaben sie sich das Ja-Wort. Auch Cécilia drängt es wieder vor den Traualtar: Sie will Ende März ihren Liebhaber aus Sarkozy-Zeiten, den PR-Berater Richard Attias, heiraten.



Text: AP
Bildmaterial: AFP, AP, Archiv/Reuters, dpa, REUTERS

 
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