...ein Scheusal war. Ohne ihren Nachnamen haette sich kein Herausgeber gefunden, diesen sexuellen Revolutionsmist zu drucken. Das hatten wir alles schon in den 60igern. Nichts Neues. Der Unterschied ist nur, dass man heute bis 5 Uhr morgens das Bafoeg versaufen kann, dann den Rest des Tages bumst, und trotzdem noch ein Hochschulabschluss dabei rauskommt! In den 60igern mussten wir noch pauken, um einen Abschluss zu kriegen.
Das Thema ist zu ernst – auch für die älteren Jahrgänge - um es im Ärger über eine gewisse Rotznäsigkeit zu verschwenden. Sachlich argumentiert, könnte man der jungen Dame vor allem ankreiden, dass, wenn Mann/Frau über Erotik und Sex redet und dabei gerne noch Liebe dazu hätte, ohne sich dann mit der „Liebe“ (ihrer Zeit) kritisch auseinander gesetzt zu haben, schlichtweg das Thema verfehlt hat; und ihr Werk verbleibt damit nur auf dem Niveau eines Feuilletons. Aber das ist ja auch schon was, oder etwa nicht?
Ein Großteil unserer Zeit und Energie wird für den Erfolg in der Arbeitswelt eingesetzt. Diese Zeit und Energie fehlt für die zwischenmenschliche Beziehung. Wir spüren diesen Mangel und versuchen durch extreme Sexualität diesen Mangel zu beseitigen.
Der andere Teil ist unfähig zu einer intensiven zwischenmenschlichen Beziehung, die auch zu einem intensiven -nämlich wirklich erfüllenden - Sexualleben fuhrt.
Wer diese Zusammenhänge nicht erkennen kann oder erkennen will, wird auch sein Leben nicht ändern und auch keine Erfüllung durch übertriebene sexuelle Aktivität finden.
Durch diesen Zustand lassen sich natürlich herrliche Geschäfte machen - den Menschen wird dadurch aber nicht wirklich geholfen.
Und wer von dem existenzphilosophischen Genörgel seiner spätpubertierenden Kinder ein wenig die Nase voll hat, möge sich den Projekten Sir S. Rattles zuwenden oder dem Klangzauber des Simon Bolivar Youth Orchestra of Venezuela lauschen, deren posttraumatische Belastungsstörungen ihrer Protagonisten ganz andere Blüten hervorgebracht haben. Aber Vorsicht: diese Lebensfreude (-lust) macht abhängig...
ich würde gerne mal mit ihr beten... ihr doch auch ;-)
"Die innere Erfahrung mit der Erotik verlangt von dem, der sie macht, eine nicht weniger große Sensibilität für die Angst, die das Verbot begründet, wie für das Verlangen, das zu seiner Übertretung führt." (Georges Bataille, "Die Erotik")
...so weit das Auge reicht.
Mal ehrlich, haben wir nicht immer schon mit ausgeprägter Häme einer kleinbürgerlichen Existenz gerne gewusst, wie Herr und Frau Wichtig, blaublütig zumal, sabbernd durch die Partywelt geistert, wie ihre Brut an der Grenze ihrer Jugend Kant, Hegel oder andere Geister bemühen muss, um in ihrem Chaos, was Leben heißt, ein wenig Struktur zu bringen, wenn auch die besten Präferenzen nicht zu mehr reichen als Praktikum oder Opernball? Gibt es da nicht eine klammheimliche Freude, die eigenes Scheitern gerne projiziert aus die im Lichte Stehenden, um uns dann doch nur in ihrem Schatten zu mästen? Oder ist es eine Entgeisterung, die uns immer wieder empfänglich macht für die Spassattitüden einer sinnverwirrten Generation, auch wenn akademische Weihen ihre Feder führt? Altersweisheit jedenfalls ist nicht mehr als amüsiert ob dieser Erkenntnisprosa, oder?
Der EROS ist unwiderruflich dahin, und das nicht, weil wir aus der Antike vertrieben wurden – das wohl auch! Nein, weil die Gattung homo sexus mit ihrem Widerpart homo oekonomicus unwiderruflich im Streit liegt. Oder, um es in der Sprache auszudrücken, in der es auch Frauen vielleicht akzeptieren: Das Patriarchat hat gesiegt – die (frustrierten) Frauen haben die Macht – nicht nur im Bett! Und für welche Töchter welcher Emanzipation schreibt sie da eigentlich? Jetzt kann es doch nur noch netter werden! – androgyn, hermaphroditisch oder endlich promiskuitiv!
Ich kann das Buch nicht kennen, kenne auch nicht Bataille, aber mit "Etwas später steht da: „Durch die Erotik können wir Teil an etwas nehmen, das Bataille als Kontinuität des Seins beschreibt, etwas, das nicht religiös, aber göttlich ist. Ficken als Gebet.“" - Da hat sie was. Würde Blüher auch unterschreiben.
Lesern einer international agierenden Tageszeitschrift in regelmäßigen Abständen dezidiert Buchvorstellungen zu präsentieren, ist sicherlich ein respektables Unterfangen.
Es mag womöglich der Eindruck getäuscht haben, dass es die FAZ in diesem Zusammenhang über Jahre immer wieder verstanden hat, bei der Auswahl der Bücher mit Sorgfalt auf deren inhaltliche Qualitäten und die literarische Klasse der Autoren zu achten. Die neuerliche Vorstellung oben benannten Buches lässt jedoch keine weitere Täuschung mehr zu.
Schlagartig wird dem Leser vielmehr klar, dass er mit der Vorstellung des Buches von A. von Schirach Zeuge eines Paradigmenwechsels der Sachbuch-Abteilung jener Zeitschrift geworden ist. Zwar sorgfältig verkapselt (durch fragwürdige Legitimationsversuche: Enkelin eines Großnazis, noch Studentin der Philosophie, Psychologie und Soziologie), wird hier ein Buch offeriert, dessen Vorstellung ganz offensichtlich allein durch das, für Literatur und insbesondere Sachbücher jedoch vollkommen ungenügende und ungeeignete, Auswahlkriterium der Medienwirksamkeit gerechtfertigt werden kann!
Bemerkenswert, welche Sogwirkung auch gut 60 Jahre später noch eine Verwandtschaft zu ehemaligen Nazi-Groß-Verbrechern ausübt...
Irgendwie haben wir es alle schon geahnt, dass beziehungsverwirrte, nach Betäubung und Selbstbestimmung dürstende Mittdreißiger in dem Multioptionsgetaumel einer hohlen Medienwelt märchenhafte Geschichten erzählen, wohl feil phrasiert, mit welcher Botschaft? Oder gehört dieser Seelenstriptease doch eher in die Kategorie Belangloses aus dem Chaos einer postpubertären Nabelschau? Da möge die Philosophin in sich gehen und noch ein wenig schweigen, auch wenn die Goldmänner noch so turteln.
Warum sich die FAZ hergibt hier kostenlose Werbung für ein Buch zu machen geht aus dem Artikel nicht hervor. Schon allein der offensichtlich für den Buchinhalt wichtige Punkt "Enkeltochter eines Großnazis" zeigt leider das Niveau. Ohne den Artikel ganz zu zerflücken sollte man nun a) entweder mal direkt auf die Qualitäten des Buches zurückkommen, welche sicherlich kaum auf Baldur Schirachs Geist zurückzuführen sind oder b) den Artikel zurücknehmen. Was oder besser wer aus der Vergangenheit kommt als nächstes?