Prominente in Malibu

Ein Star kommt selten allein

Von Christiane Heil

Keine Pool-Position: Ein Refugium ist auch Barbara Streisands Villa in Malibu nicht mehr

Keine Pool-Position: Ein Refugium ist auch Barbara Streisands Villa in Malibu nicht mehr

31. Mai 2009 In Malibu hängt der Haussegen schief. Seit Wochen schlagen die emotionalen Wellen an dem mehr als dreißig Kilometer langen Pazifikstrand der Nobel-Enklave so hoch, dass viele Bewohner sich in ihrer Fünf-Millionen-Dollar-Villa nicht mehr wohl fühlen. Dabei weiß inzwischen niemand mehr, wie das Ganze eigentlich angefangen hat. Mit Britneys Paparazzi? Oder mit Bob Dylans Dixi-Klo? Vielleicht war es aber auch Matthew McConaugheys dauernackter Oberkörper oder das Ensemble von luxuriösen Bauten, das David Evans, Gitarrist der irischen Band „U2“, seinen neuen Nachbarn vor die Nase setzen möchte.

Auf jeden Fall stehen die Zeichen in dem sonst idyllischen Küstenort nordwestlich von Los Angeles auf Sturm. Das friedliche Miteinander von Celebrities und ihren nichtprominenten Nachbarn hat in den vergangenen Wochen so gelitten, dass viele die Idylle von Malibu für immer verloren glauben. Ausgerechnet Umweltengel David Evans, der mit Bono und den übrigen Bandmitgliedern von „U2“ seit Jahren im Dienst von Organisationen wie Greenpeace und Amnesty International für Mensch, Tier und Natur aktiv ist, soll dem Frieden endgültig den Garaus gemacht haben. Und bald auch noch die verwunschene Schönheit Malibus auf dem Gewissen haben.

Die zwölf Villen, die U2-Gitarrist David Evans in Malibu bauen will, sollen wie gefallene Blätter auf dem Hang liegen
Die zwölf Villen, die U2-Gitarrist David Evans in Malibu bauen will, sollen wie gefallene Blätter auf dem Hang liegen

„Wir dachten, ,U2' will die Welt retten“

Evans, in der Rockwelt besser bekannt als „The Edge“, möchte nämlich bauen und hat dazu ein Stück Land gekauft, und zwar dort, wo der Küstenort am schönsten ist - in den Hügeln zwischen Latigo Canyon und dem Ortsteil Serra Retreat mit phantastischem Blick über den Pazifik. „Wir dachten, ,U2' will die Welt retten“, beschwert sich seine zukünftige Nachbarin Candace Brown. „Aber wenn es um etwas Kleineres geht, scheint sich die Band nicht mit Ruhm zu bekleckern.“

Wie Brown und ihre Mitstreiter meinen, sind die Baupläne von „The Edge“ dazu angetan, für alle Zeiten die zum Ozean hin abfallende Hügelkette der Santa Monica Mountains zu verschandeln. Unwiederbringlich würden Ausblicke verbaut, Hügel abrasiert sowie Flora und Fauna vernichtet: „Und all das für ein paar zu groß geratene McMansions.“ Tatsächlich plant der „U2“-Gitarrist gleich fünf Neubauten, für deren Privatsphäre er aber gesorgt hat. Das Areal, das er für rund 15 Millionen Dollar in unmittelbarer Nachbarschaft von „Frasier“-Darsteller Kelsey Grammer und „Titanic“-Regisseur James Cameron erworben hat, entspricht der Größe von mehr als 200 Fußballfeldern. Beobachter glauben daher, dass der Zorn auf Evans weniger mit Kubatur und Ausblick zu tun hat als mit den Freiheiten, die sich immer mehr Prominente gegenüber ihren nichtprominenten Nachbarn in Malibu herausnehmen. Ein Star kommt eben selten allein - sondern umgibt sich meist noch mit einem Tross von Beratern, Helfern, Sicherheitsleuten und Möchtegernfreunden, die der exklusiven Abgeschiedenheit des Küstenstädtchens durchaus abträglich sind.

Wenn die Mobiltoilette für die Bodyguards stinkt

Die Früchte des Ruhms à la Hollywood machen auch Cindy und David Emminger zu schaffen. Seit ihr Nachbar Bob Dylan vor einigen Monaten eine Mobiltoilette für seine Bodyguards aufgestellt hat, kämpft das Ehepaar trotz Meeresbrise gegen üble Gerüche. „Ausgerechnet Mr. Bürgerrechte missachtet unsere Bürgerrechte“, klagt David Emminger, dessen Familie inzwischen das Obergeschoss ihres Hauses an Malibus Point Dume geräumt hat. Das blaue portable Klo der Folk-Legende Dylan verströmt giftige Chemiewolken, glauben die Emmingers. Daher haben sie jetzt ein paar Ventilatoren aufgestellt, um Dylans Abluft zumindest gleichmäßig über die Nachbarschaft zu verteilen. Nachdem das Wachpersonal des „Blowin' In The Wind“-Sängers vor kurzem einen Kontrolleur unsanft abgewiesen hat, prüft nun die Gemeindeverwaltung von Malibu, ob Dylan sich von dem Dixi-Klo trennen muss.

Denn Malibu, so wissen seine rund 13.000 Einwohner, ist eben nicht irgendein Ort. Wie schon die Autokennzeichen mit dem Slogan „A Way Of Life“ verheißen, steht Malibu vielmehr für ein Lebensgefühl von entspanntem Strandchic, kombiniert mit luxuriösem Understatement. Seit Jahrzehnten gilt der Küstenort mit seinen großzügigen Grundstücken und phantasievollen Villen daher als Refugium für erholungsbedürftige Hollywoodstars. Prominente Malibuites wie die just wieder am Pop-Himmel aufsteigende Britney Spears, ihre brünette Neuauflage Miley Cyrus und „Red Hot Chili Pepper“-Sänger Anthony Kiedis schlurfen hier leger in Flip-Flops durch den Supermarkt oder zum Edel-Japaner Nobu. Auch Zeitgenossen wie Jennifer Aniston, Halle Berry und Courtney Cox können sich in Malibu ziemlich ungestört bewegen - jedenfalls so lange, bis der erste Paparazzo auftaucht.

Die ständige Präsenz der Kameras macht nicht nur den Stars zu schaffen

Neben den alljährlichen Buschbränden und Schlammlawinen wird der Küstenort seit ein paar Jahren nämlich von Paparazzi heimgesucht, die einfallen wie Heuschreckenschwärme. Während sich in Zeiten, als Blogs noch unbekannt waren, nur gelegentlich ein paar Fotografen aus Hollywood oder Beverly Hills an den Pazifik verirrten, rücken heute ganze Schwärme der missliebigen „Paps“ an, um die Stars in möglichst unvorteilhafter Pose zu erwischen. Am Rand eines roten Teppichs fotografieren kann schließlich jeder.

Die ständige Präsenz der Kameras macht aber nicht nur Schauspielern wie Barbra Streisand, Nick Nolte und Robert Downey Jr. zu schaffen. Auch für ihre Nachbarn ist es mit der Ruhe in Malibu vorbei. Als Matthew McConaughey, der Rick Peck aus dem satirischen Vietnam-Epos „Tropic Thunder“, im vergangenen Sommer mit ein paar Freunden vor der Paradise Cove am Strand von Malibu surfen wollte, entlud sich die angestaute Wut vieler Anwohner in einer Schlägerei mit den Paparazzi, die mit einer gebrochenen Fotografennase endete.

Der ehemalige „Sexiest Man Alive“ als schlechtes Vorbild

McConaugheys Nachbarn sind aber auch auf ihren prominenten Mitbewohner nicht gut zu sprechen, da er mit seinen Eskapaden die Paparazzi geradezu anzieht. Seine nackten Trommeleien im Garten sind ebenso legendär wie die hemd- und schuhlosen Spaziergänge des Neununddreißigjährigen. Bei der Jagd auf gut dotierte Bilder versammeln sich regelmäßig Dutzende der „Paps“ vor McConaugheys Anwesen und blockieren dabei Straßen und Einfahrten. Richtig aufgebracht hat der ehemalige „Sexiest Man Alive“ jetzt aber die Elternschaft von Malibu. Da der Schauspieler selten ohne Bierbüchse in der Hand am Strand gesichtet wird, fürchten viele, dass ihre Kleinen sich an McConaugheys Alkoholkonsum ein schlechtes Beispiel nehmen könnten.

„Wie Macht, Ruhm und Geld gehört auch ein gewisser Narzissmus zur Persönlichkeit des Prominenten“, meint David Levy, Professor für Psychologie an der Pepperdine-Universität in Malibu. „Viele Prominente überschätzen die eigene Bedeutung und leiten daraus Ansprüche ab.“ Für ihre Nachbarn wird das Leben dadurch nicht unbedingt leichter. Malibu hat in den vergangenen Jahren eine ungewohnt zwiespältige Beziehung zu den Stars entwickelt. „Man begegnet den Celebrities mit einer Kombination aus Neid und Verachtung“, beobachtet Levy.

„Malibu gehört mir“, blafft Mel Gibson

„Der Starkult läuft aus dem Ruder“, meint denn auch eine Bewohnerin der exklusiven Malibu Cove Colony. „Viele Promis meinen, die Stadt sei allein ihre Sandkiste.“ Tatsächlich legen einzelne Bekanntheiten ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein an den Tag. Als „Mad Max“ Mel Gibson recht zügig und alkoholisiert auf der Küstenstraße unterwegs war, ließ er den Sheriff sofort wissen, wer das Sagen hat. „Malibu gehört mir“, blaffte Gibson, Eigentümer einer Zwanzig-Millionen-Strandvilla mit privater Kirche. Diese großzügige Interpretation mag auch erklären, warum der Schauspieler jahrelang gegen die Paparazzi wetterte, die bei Nachbarin Britney Spears tagtäglich vor der Haustür in Serra Retreat standen.

Ein Beispiel können sich BritBrit, Häuslebauer „The Edge“ und Nachbarschreck Bob Dylan dagegen an Teodoro Nguema Obiang Mangue nehmen. Ganz ohne Medienrummel ist der Sohn des Präsidenten von Äquatorial-Guinea, einem der kleinsten Staaten an der Westküste Afrikas, vor drei Jahren nach Malibu gezogen. Für 35 Millionen Dollar hat sich Little Teodoro, wie er zu Hause in Afrika heißt, eine Villa mit Meerblick, eigenem Golfplatz, acht Badezimmern sowie einem Ensemble von Garagen für seine Bentleys, Ferraris und Lamborghinis gegönnt. Wie Recherchen von Amnesty International, der Antikorruptionsgruppe Global Witness und eine Untersuchung des Kongresses in Washington zeigen, stammt das Geld aus lukrativen Ölgeschäften, deren Erlöse angeblich millionenweise in die Taschen der Familie Obiang fließen. Die Bevölkerung von Äquatorial-Guinea gehört indes zu den ärmsten der Welt. Die sonderbare Verteilung nationaler Ressourcen scheint die kalifornischen Nachbarn von Teodoro Obiang jedoch nicht weiter zu stören. Hauptsache, die Paparazzi bleiben draußen und der Blick auf den Pazifik wird nicht verbaut.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS

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