Glosse Wirtschaft

Silberstreif

11. August 2005 pwe. Die negative Nachricht ist, daß die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal stagnierte. Die positive Nachricht ist, daß die Binnenwirtschaft sich wohl erstmals seit langem so sehr berappelt hat, daß sie einen positiven Beitrag zum Wachstum lieferte. Die höheren Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen dürften auch für den starken Zuwachs des Imports im zweiten Quartal verantwortlich sein. Damit ist es weniger schwerwiegend, daß der Außenhandel im Saldo das Wachstum belastete und die Stagnation herbeiführte. Wichtiger ist, daß der Export weiter zulegte. Tatsächlich hängt die deutsche Wirtschaft nach wie vor am Export, trotz der ermutigenden Signale aus der Binnenwirtschaft. Grundvoraussetzung für eine Erholung in den kommenden Monaten ist damit, daß die Weltwirtschaft hält, was sie zunehmend verspricht. Der größte Risikofaktor ist hier der Ölpreis. Für einen wirklichen Aufschwung aber darf sich Deutschland nicht auf den Rest der Welt verlassen. Die Verbraucher verharren in Kaufzurückhaltung, die durch eine höhere Mehrwertsteuer verlängert würde. Und die dauerhafte Bereitschaft der Unternehmen, hierzulande mehr zu investieren, muß sich angesichts der neuen Debatte über höhere Löhne erst noch erweisen. Trotz der Stagnation im zweiten Quartal darf man eine konjunkturelle Besserung erwarten. Bislang aber ist diese nur ein Silberstreif am Horizont.

Text: F.A.Z., 12.08.2005, Nr. 186 / Seite 11

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