Von Joachim Herr
24. April 2008 Seit eineinhalb Jahren erschüttert die Korruptionsaffäre den Siemens-Konzern, und das Beben wird immer stärker. Jetzt ist mit Erich Reinhardt sogar ein Mitglied des neuen Vorstands, der den Aufbruch in eine neue Zeit symbolisieren sollte, zurückgetreten.
Konzernchef Peter Löscher und der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme müssen sich spätestens jetzt fragen, ob mit Managern aus der Ära des früheren Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer ein überzeugender Neuanfang überhaupt gelingen kann. Wer weiß, was die internen Ermittlungen der Anwälte von Debevoise & Plimpton und die Strafverfahren in Sachen Siemens noch alles ans Tageslicht bringen?
Dass auch in der Medizintechnik Zahlungen mit dem Verdacht auf Bestechung aufgefallen sind, wussten Löscher und Cromme schon vor der Ernennung des langjährigen Bereichschefs Reinhardt zum Vorsitzenden des Sektors Gesundheit. Doch sie gingen das Risiko ein. Löscher und Cromme stecken in einem schier unlösbaren Dilemma: Die Führungsmannschaft lässt sich nicht komplett von heute auf morgen auswechseln. So aber bleibt die Gefahr für weitere Rückschläge und sogar für ein Scheitern des Neuanfangs groß.
Text: F.A.Z.
