Von Gerald Braunberger
14. Mai 2008 Bundespräsident Horst Köhler hat mit der Bezeichnung Monster für das Weltfinanzsystem ein Wort benutzt, das ebenso in den täglichen Sprachgebrauch eingehen könnte wie Franz Münteferings Heuschrecken für die (meist) angelsächsischen und amerikanischen Beteiligungsunternehmen.
Geadelt wird die Wortwahl des Bundespräsidenten durch seine unbestrittene Kompetenz in Wirtschaftsfragen; schließlich war Köhler Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Sparkassenpräsident und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.
Dient das der Sache?
Dennoch fragt sich, ob der populismusheischende, aber auch die Zusammenhänge arg verkürzende Begriff der Sache dient. Die Finanzmarktkrise der vergangenen Monate ist ein hoch komplexes Phänomen, das noch einer genauen Analyse bedarf und von dem man heute nur weiß, dass simple Erklärungen wie Die Fed ist an allem schuld oder Die Gier der Banker ist an allem schuld untauglich sind.
Solange die Ursachenforschung läuft, bleiben alle Diskussionen über eventuell notwendige Regulierungen Stückwerk. Daran ändern markige Worte nichts - mögen sie auch ein in der Bevölkerung verbreitetes Gefühl wiedergeben.
Text: F.A.Z.