Von Kerstin Schwenn
08. Mai 2008 Der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, tritt zurück. Diesem Schritt folgt ein bemerkenswerter Karrieresprung: SPD-Mitglied Hansen soll in der Deutschen Bahn künftig als Arbeitsdirektor für das Personal verantwortlich sein. Seine Nibelungentreue für Bahnchef Hartmut Mehdorn und dessen Privatisierungskurs wird nun belohnt, da es im Zuge des bevorstehenden Börsengangs der Verkehrssparte um die Neubesetzung von Vorstandsposten geht.
Für seine Pro-Privatisierungs-Position hat Hansen über Jahre heftige Kritik aus dem gesamten Gewerkschaftslager hinnehmen müssen. Der Chef der Konkurrenzgewerkschaft der Lokführer, Manfred Schell, mutmaßte während des zermürbenden Tarifstreits zuweilen schon, Hansen sei ein Agent der Gegenseite“. Ob die Bahn-Führung ihm den Seitenwechsel schon früh in Aussicht gestellt hat, um ihn zu tariflichen Zugeständnissen zu bewegen, mag dahinstehen. Hansen wird die neue Rolle nutzen, um die versprochene Beschäftigungssicherung für die Eisenbahner bis 2023 festzuklopfen. Seine Berufung zeigt: Die Bahn bleibt auch nach der Teilprivatisierung ein politisches Unternehmen.
Text: F.A.Z.
