Finanzkrise

Die Rettung der Wall Street

Von Holger Steltzner

20. September 2008 Das ist eine Krise ohne Beispiel. Diese Finanzkrise führt in eine neue Dimension. Die Rettung der "Wall Street" durch die "Main Street", also die Allgemeinheit, kostet den amerikanischen Steuerzahler vorerst 500 Milliarden Dollar. Das ist unvorstellbar viel Geld und der Preis dafür, dass man den Exzessen zu lange zugesehen hat. Lange haben sich Investmentbanker, Beteiligungsinvestoren und Hedge-Fonds-Manager als Herren der Welt gefühlt und auch so gehandelt. Die Burschen haben in den Abgrund geblickt - und Panik bekommen. Sie haben das Weltfinanzsystem erschüttert und damit auch das Vertrauen in die Marktwirtschaft.

Der Staat räumt auf und muss die Rechnung übernehmen. Die derzeit unverkäuflichen Wertpapierkredite verschwinden in den Kellern von Schatzamt und Notenbank. In Ruhe wird man später versuchen, sie zu verwerten, danach wird abgerechnet. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Krise haben amerikanische Finanzpolitiker und Notenbanker entschlossen gehandelt und eine pragmatische Lösung gefunden, die sich allerdings erst noch bewähren muss. Die extremen Kursgewinne an den Aktienbörsen zeigen, wie erleichtert die verängstigten Anleger sind. Hoffentlich freuen sie sich nicht zu früh.

Die maßlose Schuldenorgie und die haltlose Gier der Spekulanten wird Folgen haben. Die Gegner des Kapitalismus sehen den Beweis für das Versagen des Marktes erbracht. Selbst unter Anhängern der Marktwirtschaft wachsen Zweifel an den Segnungen der Märkte. Solange dort Gewinne privat eingestrichen, aber Verluste sozialisiert werden, ist das kein Wunder. Der Zorn der Steuerzahler ist groß und verständlich. Auch Spekulationskrisen gehören zum Entdeckungsverfahren der Marktwirtschaft, ebenso wie das Scheitern eines Unternehmers möglich ist. Es wäre wichtig, dass die Schuldigen dieser Krise auch bestraft werden und die fahrlässigen Profiteure die Verluste tragen. Das wird leider nicht immer geschehen. Gier und Furcht müssen sich künftig wieder die Waage halten. Deshalb muss über die Anreize und Regeln am Kapitalmarkt debattiert werden. Es wird nicht einfach sein, den richtigen Ausgleich zwischen notwendiger Aufsicht und einschneidenden Regeln zu finden. Man kann sich darauf einstellen, dass die Zeit des billigen Geldes erst einmal vorbei ist.

Text: F.A.Z.

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