Teures Benzin, teure Lebensmittel

Super Minus

Benzin ist teuer wie nie. Und der Preis für Lebensmittel ist zuletzt auch kräftig gestiegen. Jetzt hat die Weltbank herausgefunden, dass die Produktion von Biokraftstoff Nahrungsmittel stärker verteuert als angenommen. Bei allem Ärger an der Tankstelle und Verständnis für die Suche nach alternativen Kraftstoffen, bleibt es dabei: Essen gehört auf den Teller. Von Holger Appel

Lesermeinungen zum Beitrag

05. Juli 2008 14:38

Spekulative Preis-Explosionen verhindern !Schläft die EU beim Wettbewerbsrecht ?

Hubert Thönes (HuThoenes)

Die drastische Verteuerung von Erdöl und Erdgas ist natürlich aktuell ein schmerzliches Ärgernis, weil die Preiserhöhungen zunächst einmal von jedem Haushalt finanziell verkraftet werden müssen. Ob es sich dabei tatsächlich um nachvollziehbare Kostenpreise oder doch eher um "spekulative Marktpreise" und "Presiabsprachen" handelt, muss - international - von den staatlichen Wettbewerbshütern (Kartellbehörden) schnellsten geprüft werden. Hier ist vor allem auch die EU gefordert, ansonsten werden die Verbraucher systematisch abgezockt. Die FAZ wäre gut beraten, diesen Aspekt, der zu einer funktionsfähigen "Sozialen Marktwirtschaft" gehört, zu diskutieren. Dass sich im Zuge der Entwicklungen auf dem Erdöl-Markt deshalb auch ein drastischer Preisanstieg für "nachwachsende Rohstoffe" vollzieht, die aufgrund der traditionellen Erwartungshaltung erstrangig als Nahrungsmittel Verwendung finden, nunmehr aber als Substitut zum Beispiel für "Treibstoff" dienen, ist bereits durch den Marktprozess begründet. Steigt der "Markt/Börsenpreis" für Erdöl, ein Kuppelprodukt für Benzin, Diesel-Heizöl und Öle (Kunststoffe), so wirkt dies wie ein "Leitpreis" für alle Produkte, die dem gleichen Verwendungszweck zugeführt werden können.

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05. Juli 2008 14:07

Lebensmittelpreise

Alex Kellner (Alexupery)

Es ist doch sehr gut, wenn die Lebensmittelpreise anziehen. Irgendwann geht den Indern und Chinesen hoffentlich die Luft aus, Ölprodukte weiter zu subventionieren, wenn sie nur genug teure Agrarprodukte für ihre Bevölkerung importieren müssen. Wir sind da ja gottseidank autark. Vielleicht könnten wir ja sogar ein Kartell der Lebensmittel/Wasser exportierenden Länder gründen, die Preise auf dem Weltmarkt richtig in die Höhe treiben und die Scheichs ordentlich abkochen - in der Wüste wächst ja bekanntlich nicht viel. Zuallererst sollten wir allerdings sofort die Entwicklungshilfe für alle Länder einstellen, die Petrosubventionen zahlen.

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05. Juli 2008 14:06

Einverstanden - und was ist die Konsequenz ?

Engelbert Kühlwetter (wallibelli)

Die Biospritproduktion einstellen! Gut, dann zahlen wir demnächst 500 $ fürs Öl und stehen vor leeren Lebensmittelregalen, weil der Transport teurer als die Ware ist. Es gibt genug Landflächen, know how und Instrumente auf der Welt, um Biosprit plus ausreichend Nahrungsmittel für die Bevölkerung bereitzustellen. Man muß nur Anbau, Produktion und Verteilungslogistik optimieren. Wenn korrupte, despotische, unorganisierte und machtgierige Herrschafts- und Wirtschaftssysteme in Afrika trotz vorhandener Möglichkeiten und Millarden Entwicklungshilfe jahrzehntelang nicht fähig sind, sich selbst zu ernähren, ist die Biospritproduktion nicht schuld. Die Weltgemeinschaft muß bei wachsender Bevölkerung und Wohlstand lernen, Erschließung und Umgang mit den verfügbaren Basisresoucen einvernehmlich zu regeln und umzusetzen, ansonsten scheitert sie. Da helfen weder Subventionen für Arme oder Millarden für Hungernde. Eine global aufstrebende, vernetzte Gesellschaft braucht global einheitliche Normen, Rahmenbedingungen und Spielregeln. Das ist bei über 200 Einzelstaaten nicht durchsetzbar. Deshalb wird immer nur geredet oder gezahlt, aber kaum was umgesetzt. Jeder hilft sich selbst oder lässt sich helfen. Die Folge sind immer größere Probleme.

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05. Juli 2008 11:59

Essen gehört auf den Teller. Grossartige Erkenntnis. Was hilft das weiter?

Frank Zwecker (frank_zwecker)

Auch wenn die FAZ möglicherweise nicht dafür prädestiniert dafür ist, solche Themen, die stark in den technischen Bereich gehen, kompetent zu erläutern, wäre es doch schön, wenn man es sich nicht so einfach machen würde. Stimmt es wirklich, dass Biosprit Lebensmittel zwangsläufig teurer macht? Warum? Riesige Agrarflächen auf der ganzen Welt liegen doch brach. Ausserdem arbeitet das BTL-Verfahren zum Beispiel auch mit Pflanzenresten. Und falls es doch so ist, dass es eine gefährliche Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Biosprit gibt: Könnte man neue Flächen erschliessen und bestehende vielleicht effizienter bewirtschaften? Sind Bio-Lebensmittel im pflanzlichen Bereich wirklich ökologischer, denn die Erträge sind schliesslich geringer? Welche Rolle spielen Agrarsubventionen? Ist Mobilität durch Biosprit vielleicht höher anzusiedeln als etwas teurere Lebensmittel? Diese und andere Fragen zu beantworten und die Antworten in einen vernünftigen Zusammenhang zu stellen, ist allerdings mühsamer als die These: "Essen gehört auf den Teller".

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