18. April 2007 pwe. Glaubt man den Ökonomen, hat die deutsche Wirtschaft zu einem dauerhaften Aufschwung angesetzt. Als Folge der höheren Mehrwertsteuerlast dürfte das Wachstum in diesem Jahr zwar etwas schwächer ausfallen als 2006. Der gute Lauf der Weltwirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Arbeitnehmer aber kompensieren diese Dämpfung. So erscheinen mit 2,4 Prozent Wachstumsraten möglich, an die sich die Deutschen nach Jahren der Dürre erst wieder gewöhnen müssen. Maßhalten ist geboten, damit der Aufschwung nicht schnell wieder endet. Dies gilt für die Regierungen im Bund und in den Ländern. Noch ist das von den Instituten prognostizierte Null-Defizit im Jahr 2008 nicht gesichert. Und noch verstößt Deutschland gegen seine Verpflichtung auf europäischer Ebene, in guten Zeiten Überschüsse zu erwirtschaften, um Schulden abzubauen und für schlechte Zeiten vorzusorgen. Auch im Aufschwung gilt: Mehrausgaben heute sind die Steuererhöhungen von morgen und belasten die Konjunktur. Das zweite große Risiko ist die Lohnpolitik. Die wiedergewonnene Kraft der Wirtschaft gründet in jahrelanger Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer, welche die Unternehmen zu Neueinstellungen anregte. Wenn die Gewerkschaften im konjunkturellen Überschwang glauben, aus dem Vollen schöpfen zu können, läuten sie das Ende des Aufschwungs ein.
Text: F.A.Z., 19.04.2007, Nr. 91 / Seite 11