Von Holger Appel
06. Oktober 2008 Am Wochenende hat die Bundesregierung eine von Frankreich angestoßene, europaweit abgestimmte Aktion zur Rettung des Finanzwesens noch mit guten Gründen abgelehnt. Die Einzelfallprüfung sei einer generellen Garantie vorzuziehen, verlautet aus Berlin, und das zu Recht. Nur wenige Stunden später kommt der Plan jetzt aber durch die Hintertür, weil das Milliardenloch der Hypo Real Estate die immer nervöser werdenden Bürger zum Sturm auf die Bankschalter verleiten könnte. Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Steinbrück haben den Sparern in Deutschland zugesagt, dass ihre Einlagen sicher seien und der Staat im Notfall für sie eintrete. Das hat sogleich Betriebsamkeit in Österreich, Dänemark und England ausgelöst, wo die staatlichen Zusagen erweitert wurden.
In Großbritannien kann man beobachten, welche Folgen der Eingriff hat. Seit die Bank Northern Rock vom Staat mit einer Garantie aufgefangen wurde, zahlen die Menschen wie wild Geld ein. So viel, dass die Bank jetzt wegen der gesetzlich verhängten Obergrenze die Annahme verweigern muss. Gleichzeitig fließen Milliarden nach Irland, seit der Staat dort alle Einlagen garantiert. In Europa ist der Wettlauf um die Einlagensicherung in vollem Gange, weil zwar jeder um das damit angerichtete ordnungspolitische Debakel weiß, aber niemand eine bessere Lösung kennt.
Angeschmiert sind Institute, die sich nicht verkalkuliert haben
In Deutschland werden, im Gegensatz etwa zu Irland, bislang nur die Einlagen von Privatpersonen geschützt, doch bis zum nächsten Schritt ist es nicht mehr weit. Die Berliner Staatsfeuerwehr ist ausgerückt, den Brand hat sie aber noch nicht unter Kontrolle, wie der Kurssturz an der Börse am Montag beweist. Werden nur Spar-, Giro- und Termineinlagen geschützt, werden die Menschen ihr Geld massenweise aus Fonds abziehen, was wiederum die zu den Banken gehörenden Fondsgesellschaften in Not bringen wird. Werden nur Privateinlagen gesichert, werden die Unternehmen ihr Geld abziehen und gleichzeitig die ihnen noch in besseren Zeiten zu günstigen Konditionen eingeräumten Kreditlinien in Anspruch nehmen – auch das sind in der Summe Milliardenbeträge, die manche Bank kippen können.
Angeschmiert sind solche Institute, die sich nicht verkalkuliert haben und aus eigener Kraft bestehen. Damit die Verzerrung nicht zu gravierend wird, sollten die staatlich geretteten Banken wenigstens geordnet abgewickelt werden und vom Markt verschwinden.
Text: F.A.Z.
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Kassensturz in der roten Firma
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,83 | +0,40% |
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| MDAX | 7.311,23 | +0,19% |
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| REX | 373,92 | +0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,04 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.270,50 | +0,72% |
| Nasdaq 100 | 1.788,61 | +0,44% |
| S&P500 | 1.093,48 | +0,57% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4902 | +0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 76,46 $ | −0,40% |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,04% |