16. Juni 2008 Anleger und Investmentbanken an den Finanzmärkten haben den Ölmarkt entdeckt. Manch einer sieht darin Anlass, vor dem Einfluss böser Spekulanten zu warnen und ihnen die Schuld für den hohen Ölpreis in die Schuhe zu schieben. Dieses Denkschema hat in Italien und in Frankreich viele Anhänger. Die marktwirtschaftliche Sicht der Dinge ist eine andere.
Es ist gut, dass die Spekulanten am Ölmarkt aktiv sind. Sie wittern, dass angesichts der großen Energienachfrage aus Schwellenländern wie China der Ölpreis noch auf lange Zeit hoch bleiben und womöglich weiter steigen wird. Das treibt den Preis für Öl an den Terminmärkten, an denen künftige Lieferungen gehandelt werden, in die Höhe. Diese Spekulation ist wünschenswert.
Der verstärkte Preisauftrieb hilft, die Verbraucher zum sparsamen Energieeinsatz anzuhalten. Er lenkt die Ölproduzenten, mehr in die Erforschung neuer Abbaustätten, in die Ölförderung und in die Verarbeitung zu investieren. Die Preissignale sind mächtiger als jeder Appell von Politikern. Gewiss mögen die Märkte gelegentlich übertreiben. Aber eine Regierung, die dauerhaft eine bessere Voraussicht als die Finanzmärkte hat, muss erst noch gefunden werden.
Text: F.A.Z.