Bankenübernahme

Drei Wege für die IKB

Von Holger Appel

Wer macht das Rennen um die IKB?

Wer macht das Rennen um die IKB?

14. Juli 2008 Diese Woche soll sich das Schicksal der IKB Deutsche Industriebank entscheiden. Wieder mal, denn schon öfter standen Entscheidungen von größerer Tragweite für die seit fast genau einem Jahr um ihre Existenz ringende Bank an, mehrfach wurden Termine verschoben. Doch jetzt wird es offenbar ernst. Es gilt das Datum 17. Juli. Bis zu diesem Donnerstag sollen bindende Angebote für den zum Verkauf stehenden Mittelstandsfinanzierer eingegangen sein. Drei Bieter sind im Rennen und damit drei Wege für die Zukunft der IKB. Denn obgleich um das gesamte Prozedere ein großes Geheimnis gemacht wird, zeichnet sich doch ab, dass jeder der drei eine andere Strategie verfolgt.

Intensiv die Bücher geprüft haben in den vergangenen sechs Wochen die schwedische Bank SEB, der amerikanische Finanzinvestor Lonestar und nicht, wie stets kolportiert wurde, die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Ripplewood, sondern die mit Ripplewood gemeinsame Wurzeln habende, aber eigenständige und börsennotierte Beteiligungsgesellschaft RHJI mit Sitz in Brüssel. Ein wenig wie in der Vorbereitung auf eine Klausur in der Schule werden die drei Bieter in den letzten 72 Stunden entscheiden, ob sie bereit sind, ein Angebot abzugeben, und wenn ja, mit welchem Preis.

Steinbrück erwartet 800 Millionen Euro

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat dafür eine Marke gesetzt: Er erwartet, 800 Millionen Euro für die mit dem staatseigenen Großaktionär Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgestattete IKB zu erzielen. Das Geld soll an die durch die veranlassten Stützungszahlungen arg gebeutelte KfW zurückfließen. Auch wenn die Bedingungen am Finanzmarkt derzeit Bankenübernahmen generell erschweren, völlig unmöglich scheint dieser Preis nicht zu sein. Jedenfalls hört man die Bieter nicht stöhnen, wenn sie im Verborgenen über die Summe sprechen.

Zu den Ungereimtheiten zählt noch die erstaunliche Notierung der Aktie. Die IKB wird an der Börse seit Wochen mit Kursen um 3,10 Euro gehandelt und ist damit, sofern nicht irgendwo eine positive Sensation schlummert, hoffnungslos überbewertet. „Irgendetwas in dem Aktienkurs stimmt nicht“, stellen einige Analysten und am Verkaufsprozess beteiligte Insider zu Recht fest. Nach der geplanten Kapitalerhöhung wird die KfW rund 90 Prozent an der IKB besitzen. Diesen Anteil wird der Übernehmer für, sagen wir, 800 Millionen Euro bekommen. Aus den heute 100 Millionen ausstehenden Aktien werden nach der Kapitalerhöhung 600 Millionen Stück werden, ohne dass werthaltige Substanz hinzukommt. Sollte der Kurs bei 3 Euro bleiben, könnte der Käufer also grob gerechnet seinen Einsatz am ersten Tag nahezu verdreifachen. Oder, was wahrscheinlicher ist, die Börse bildet demnächst den wahren Wert der IKB ab. Der liegt rein rechnerisch um 1,30 Euro.

Am klarsten schimmert die Strategie von RHJI durch

Nicht (nur) aus Sicht des frustrierten Aktionärs, sondern auch als um den eigenen Arbeitsplatz bangender Beobachter schauen die Mitarbeiter auf den Verkaufsprozess. Ihr Schicksal hängt daran, wer den Zuschlag bekommt. Die schwedische SEB besitzt in Deutschland schon länger die BfG-Bank, doch so richtig erfolgreich scheint diese Verbindung nicht zu sein. So dürfte sich für die SEB die Frage stellen: Ausstieg oder Zukauf? Das klingt nach Skalenmodell, fortan würde wohl zum Beispiel nur noch eine Zentrale gebraucht. Lonestar ist ein klassischer Vermögensverwerter. Man darf annehmen, dass der Finanzinvestor die IKB zerlegen und die ertragreichen Einzelteile weiterverwerten würde.

Am klarsten schimmert die Strategie von RHJI durch. Dem Vernehmen nach will die Beteiligungsgesellschaft ein System von Kapitallieferanten für nicht börsennotierte Firmen aufbauen. Sie sucht eine Fonds-Plattform, über die sie Investoren mit Eigenkapital oder eigenkapitalnahen Produkten an den deutschen Mittelstand bringen kann. Der braucht Geld, will aber weder an die Börse noch verkaufen, und die Banken haben das Geschäftsfeld im Nachgang zur Entflechtung der Deutschland AG weitgehend geräumt, haben die Brüsseler festgestellt. Private Equity sei keine Lösung.

Die Wahl ist schwierig

Beteiligung, nicht Kontrolle verspricht die Gesellschaft den IKB-Kunden und sich selbst den Zugang zu 1500 bis 2000 exportorientierten, starken deutschen Mittelständlern. 100 bis 200 Millionen Euro zusätzlicher Ertrag sollen so im Jahr angeblich drin sein. Für die Refinanzierung des eigentlichen Kerngeschäfts, also des 30 Milliarden Euro schweren Kreditbuchs, sollen die IKB selbst (trotz ihres schlechten Ratings) und einige Banken im Hintergrund sorgen. Man hört Namen wie Royal Bank of Scotland.

Die Wahl ist schwierig. Ob hinterher eingehalten wird, was vorher versprochen wird, steht in den Sternen und ist eine Frage von juristisch wasserdichten Verträgen. Wenn sich die Bundesregierung aber schon entschieden hat, via KfW 7 Milliarden Euro plus x in die Rettung der IKB zu investieren, und damit nach eigener Überzeugung einen Kollaps des deutschen Bankensystems verhindert hat, dann sollte sie jetzt auch so konsequent sein und den Zuschlag einem Bieter geben, der die Fortführung der Bank unter Marktbedingungen und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze verspricht.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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