Klaus von Klitzing

Atomenergie kauft uns Zeit für Besseres

09. Oktober 2007 Vor zehn Jahren hat er noch mit den Schultern gezuckt. Vor fünf Jahren sei ihm klar geworden, was auf uns zukomme. Und heute bezeichnet Klaus von Klitzing den Klimawandel als die größte Bedrohung und die größte Herausforderung der Menschheit.

Nicht die Klimaveränderung an sich hält er für gefährlich, aber das enorme Tempo, in dem sie stattfindet. Atemberaubend auch die Geschwindigkeit, mit der vorhandene Energieressourcen aufgezehrt werden: „Wir können doch nicht das, was über Millionen Jahre entstanden ist, in ein paar Generationen verbraten“, sagt er und wirkt fassungslos, so als ob diese Erkenntnis neu wäre.

Atomausstieg ist unvernünftig

Klitzing hat seinen Nobelpreis für Forschung über die Natur des elektrischen Widerstands bekommen. Er ist ein gefragter Ratgeber, für die Forschungs- und nun auch für die Klimapolitik. Am Montagabend fiel ihm die Rolle zu, die Nobelpreisträgertagung zu eröffnen. „Wir Nobelpreisträger sind die unabhängigsten Menschen der Welt, wir sind nicht Lobbyisten einer Sache, sondern nur unserer frei gewonnenen Überzeugungen“, sagte er. Diese Überzeugungen in die Weltpolitik einzuspeisen, hält er für eine Pflicht.

Doch auch vor der Tagespolitik scheut er nicht zurück: Der Atomausstieg in Deutschland sei unvernünftig, „ein Stück Realitätsverweigerung“, er müsse so schnell wie möglich revidiert werden, um sie als „Zwischenlösung“ zu nutzen und Zeit zu erkaufen für die Entwicklung anderer kohlendioxidarmer Energiequellen. Der Politik müsse klar sein, dass man Forschungserfolge nicht mit Geld erzwingen könne, dass aber ohne ausreichende Investitionen Erfolge unwahrscheinlich würden. Seiner Disziplin, die der Menschheit die Atombombe beschert hat, schreibt von Klitzing das Potential zur Umkehr der Weltprobleme zu: „Wir können die Kernfusion als Stromquelle erschließen und Solarzellen zu einer Effizienz von 35 Prozent bringen.“

Klaus von Klitzing erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahr 1985.

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Text: cls. / F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z./Matthias Lüdecke

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