Von Benedikt Fehr
30. November 2007 Nach jüngsten Äußerungen von Don Kohn, dem Vizepräsidenten der amerikanischen Notenbank Fed, gehen die Finanzmärkte nun davon aus, dass der Dollar-Leitzins am 11. Dezember weiter sinkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) bringt dies in eine knifflige Lage.
Denn wenn die Fed die Zinsen senkt, nimmt der Abwertungsdruck auf den Dollar zu. Dabei dämpft die Dollar-Abwertung das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum schon jetzt spürbar.
Klarer Auftrag
Dennoch gibt es gute Gründe, dass sich die EZB nicht am Wechselkurs orientiert und ihren Leitzins nicht senkt. Anders als die Fed hat sie einen klaren Auftrag: die Wahrung der Preisstabilität. Dieses Ziel ist gefährdet, weil der Anstieg des Ölpreises die Inflation zuletzt auf rund 3 Prozent getrieben hat und eine Preis-Lohn-Spirale droht.
Manche Mitglieder im EZB-Rat plädieren deshalb sogar für eine weitere Anhebung des Leitzinses. Das wäre überzogen. Denn es lässt außer Acht, dass die Turbulenzen am Geldmarkt den für Banken wichtigen Refinanzierungszins für Dreimonatsgeld kräftig erhöht haben. Das wirkt bereits wie eine Leitzinserhöhung. Die EZB braucht deshalb vorerst nicht an der Zinsschraube zu drehen.
Text: F.A.Z., 30.11.2007, Nr. 279 / Seite 13