Von Philip Plickert
03. Januar 2008 Die beiden Ölschocks der siebziger Jahre haben ein tiefes Trauma hinterlassen. In den Jahren 1973/1974 drehte die Opec dem Westen den Ölhahn zu, darauf schnellte der Preis kräftig in die Höhe. In der Folge tauchte Deutschland in eine Rezession: Die Inflation erreichte beinahe 7 Prozent, die Gewerkschaften forderten zum Ausgleich zweistellige Lohnzuwächse, und die Bundesbank steuerte mit höheren Zinsen gegen.
Im Jahre 1975 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund ein Prozent, die Arbeitslosenzahl verdoppelte sich bis Mitte der siebziger Jahre auf rund 2 Millionen. Damals entstand das Schlagwort von der Stagflation: Eine Schwäche der Wirtschaft und eine hohe Inflationsrate kamen zusammen. In den Lehrbüchern war dieser Fall nicht vorgesehen. Um Öl zu sparen, verordnete die sozialliberale Regierung autofreie Sonntage.
Stabilisierungsrezession
Die Deutsche Bundesbank entschloss sich damals, der Inflationsbekämpfung Vorrang zu geben, und erhöhte die Leitzinsen. Dass damit die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte, nahmen die Frankfurter Währungshüter in Kauf. Fachleute prägten dafür den Begriff Stabilisierungsrezession“. Auch milliardenschwere Ausgabenprogramme der Bundesregierung konnten die Konjunktur nicht wieder ankurbeln, sie hinterließen nur einen wachsenden Schuldenberg.
Expansive Nachfragepolitik war unter den Bedingungen von Angebotsschocks – wie der Ölverknappung – und tiefgreifenden Strukturwandlungen in der Tat nicht angemessen“, gestand der SPD-Politiker Karl Schiller später ein. Die keynesianische Welt ging damals unter.
Die Geschichte wiederholt sich nicht
Heute sieht alles anders aus. Die Geschichte wiederholt sich nicht. Nicht eine Angebotsverknappung, sondern ein starker Anstieg der Nachfrage nach Rohöl, besonders aus den Schwellenländern, treibt den Preis. Aus Sicht der Europäer ist dieser dabei weniger stark gestiegen als aus Sicht der Amerikaner. Der hohe Außenwert des Euro gegenüber dem Dollar hat die Belastung gedämpft: Während sich der Ölpreis in Dollar seit Anfang 2002 vervierfacht hat, zahlen Euro-Importeure bislang nur gut das Zweieinhalbfache.
Vor allem drei Gründe sprechen dafür, dass die deutsche Wirtschaft heute weit weniger unter dem Kostenanstieg leiden wird. Erstens hat die Energieabhängigkeit seit dem siebziger Jahren erheblich abgenommen. Heute importiert Deutschland in etwa dieselbe Menge Erdöl wie damals, schafft damit aber ein gut doppelt so großes BIP, dies auch eine Folge des Umbaus von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Zweitens haben die Tarifpartner gelernt.
Die deutsche Wirtschaft profitiert von den Petrodollar
Anders als in den siebziger Jahren sind keine überzogenen Lohnrunden zu fürchten, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden würden. Und drittens gibt es die begründete Hoffnung auf ein zumindest teilweises Recycling“ der Petrodollar. So entzieht der hohe Ölpreis zwar der deutschen Wirtschaft zunächst Kaufkraft; im Gegenzug stärkt er die Einkommen der Ölländer, deren Nachfrage nach deutschen Produkten erheblich gestiegen ist. Davon profitieren besonders der Maschinen- und Anlagenbau.
Dennoch belastet der Ölpreisanstieg die Konjunkturaussichten der deutschen Volkswirtschaft. Nach gängigen Modellrechnungen bremst ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar das BIP-Wachstum um 0,2 Prozentpunkte. Allerdings dauert es etwa ein halbes bis ein ganzes Jahr, bis dieser Effekt in den Statistiken sichtbar ist.
Zu Frage 4: Lässt sich Öl ersetzen?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,18 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 858,95 | +1,36 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |