Von Christian Schubert
06. Mai 2008 Tut sich auch in Frankreich ein „Fall Siemens“ auf? Bei dem französischen Siemens-Konkurrenten Alstom sind Verdachtsmomente aufgetreten, die an die Korruptionspraxis des deutschen Industriekonzerns erinnern. Noch wird nur ermittelt, niemand hat Anklage erhoben. Die Vorgänge begannen in den neunziger Jahren und sollen 2003 geendet haben.
Im Blick sind millionenschwere Aufträge in Brasilien, es geht um zwischengeschaltete Vermittler und um Kommissionen von zwielichtigen Konten. Auch wenn etliches noch vage ist, muss die Bemerkung erlaubt sein, dass all das nicht gut riecht. Die Ermittlungen bestätigen den Eindruck, dass die Vergabe großer Infrastrukturaufträge lange Zeit besonders anfällig für Korruption gewesen ist. Wenn es um Kraftwerke, U-Bahnen und Telekomanlagen ging – gerade in Schwellenländern mit unzuverlässigen Rechtssystemen –, haben viele Auftraggeber Schmiergelder geradezu erwartet. Dies soll Korruption nicht entschuldigen. Manche Konzerne zahlten mehr, manche weniger, manche gar nicht.
Es bleibt festzuhalten, dass die Bestechung bei Siemens in ihrem Ausmaß erschreckend ist, aber kein Einzelfall war. Ob heute alles besser ist? Zweifel sind erlaubt.
Text: F.A.Z.
