FAZ.NET-Spezial

Der Bollywood-Wagen

Von Wolfgang Peters

Der “Nano“ in der Seitenansicht

Der "Nano" in der Seitenansicht

10. Januar 2008 Tata macht Tamtam: Noch vor wenigen Wochen war der indische Konzern in Europa der große Unbekannte. Jetzt sieht es so aus, als starteten die Inder auf dem internationalen Automarkt den Zangenangriff. Mit Ford ist Tata im Gespräch wegen der Übernahme von Jaguar und Land Rover. Das könnte den Eintritt in die Klasse der Luxuswagen bedeuten. Gleichzeitig hat man die Autoszene mit der Ankündigung aufgeschreckt, ein neues Auto für umgerechnet 1700 Euro auf den Markt zu bringen. Damit greift Tata im niedrigsten Autosegment an und setzt Maßstäbe für westliche Entwicklungen, die wie der VW „up“ ebenfalls auf den Markt der Billig-Autos zielen.

Nach der Präsentation des Bollywood-Wägelchens auf der Auto Expo 2008 atmen westliche Automanager wieder auf: Der Tata Nano werde zumindest vorläufig nur in Indien verkauft, sagt der Hersteller. Ob das so bleibt, weiß man nicht, schließlich ist seine Fabrik auf deutlich höhere Stückzahlen ausgelegt als derzeit geplant.

Auch inhaltliche Gründe

Doch die westliche Erleichterung über das fernöstliche Nano-Mobil hat auch inhaltliche Gründe: Mit Technik, Ausstattung und Design wird der Nano unter gegenwärtigen Bedingungen nur wenige Käufer in Europa finden. Höchstens Menschen, die eigentlich gar kein Auto wollen, könnten sich dafür entscheiden. Nach allem, was man bisher von dem Teilchen-Tata weiß, mag er passgenau auf den indischen Markt zugeschnitten sein. Dort motorisieren sich Gewerbetreibende und Familien überwiegend mit motorisierten Mini-Rikschas oder Motorrollern, die Platz bieten für Kind und Kegel.

Im Vergleich dazu bedeutet der Tata Nano den Aufstieg zum luxuriösen Transport mit einem Dach über dem Kopf. Eine Aufrüstung auf europäischen Standard und zur Erfüllung der geltenden Zulassungsnormen triebe den Preis des Indien-Autos in jene Regionen, die auch von europäischen Konzernen mit eigenen Produkten angepeilt werden.

Mit seinen Jaguar-Ambitionen und dem Nano signalisiert Tata den Willen zum Ausbruch aus dem heimischen Markt. Der Versuch, den Wagen auch im Westen zu verkaufen, wird nicht lange auf sich warten lassen. So transportiert Tatas Trommeln auch eine Botschaft an die europäischen Autobauer: Es gibt offensichtlich eine Kundschaft für Billig-Autos. Aber nicht ohne Kat, Klimaanlage und ABS.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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