Von Patrick Welter
13. August 2006 Mit großer Geste beschloß die Europäische Union im Juni, daß Slowenien zum 1. Januar 2007 den Euro einführen darf. Vorangegangen war eine genaue Prüfung der Euro-Reife des Landes. Geprüft wurde leider nicht, ob auch die alten Euro-Staaten reif sind für die Erweiterung der Währungsunion.
Sechs der zwölf Altmitglieder im Euro-Klub, darunter Deutschland, sind das nicht. Sie halten ihre Grenzen für slowenische Arbeitnehmer ganz oder teilweise geschlossen. Die sechs Staaten akzeptieren Slowenien so nur als Euro-Mitglied zweiter Klasse. Willentlich verstoßen sie gegen eine der Grundbedingungen für das reibungslose Funktionieren der Währungsunion, gegen die Freizügigkeit für Arbeit. Angesichts der geringen Größe der slowenischen Wirtschaft wird man darob nicht den Untergang des Euro beschwören.
Unklar ist aber, wovor die Regierungen der sechs Länder sich fürchten. Selbst eine unwahrscheinliche Zuwanderung von einigen zehntausend der gerade mal 820000 erwerbstätigen Slowenen ist in einem Wirtschaftsraum von schon jetzt 313 Millionen Menschen keine Gefahr, sondern eine Bereicherung des Arbeitsmarktes. So zeigt die Blockade nur, daß viele, auch deutsche Politiker, nicht verstehen, daß der dauerhafte Erfolg der Währungsunion offene Märkte und die Bereitschaft zum Wettbewerb verlangt. Dieses Unverständnis ist eine ernste Gefahr für den Euro.
Text: F.A.Z., 14.08.2006, Nr. 187 / Seite 11
