Steuern

Schräge Entlastung

Von Manfred Schäfers

27. Oktober 2009 Die neue Koalition entlastet die, die ohnehin am wenigsten Steuern zahlen: Geringverdiener, Familien. Das politische Kalkül überlagert das, was eigentlich notwendig wäre.

Wie internationale Vergleichsberechnungen zeigen, behandelt der deutsche Fiskus Eltern relativ pfleglich. Anders sieht es bei den Singles aus. In kaum einem Land werden sie so ausgequetscht wie hierzulande. Das gilt für Durchschnittsverdiener und erst recht für alle, die darüberliegen. Einkommensteuer und Soli sorgen dann dafür, dass von einer Lohnerhöhung 45 Prozent an den Fiskus gehen. Wer dann das Pech hat, noch voll dem Zugriff der Sozialversicherungen zu unterliegen, muss auf ein weiteres Fünftel verzichten.

Beim Essen, Trinken, Tanken greift der Fiskus nochmals zu. Die Gesamtbelastung sollten sich die Betroffenen besser nicht ausrechnen. Das trübt die Laune dauerhaft.

Diese Gruppe wird für die Bankenkrise in Sippenhaft genommen. Schwarz-Gelb macht keine Anstalten, sich ihrer anzunehmen. Wenn die neue Koalition von der Entlastung der Leistungsträger spricht, dann meint sie andere. Für besonders geschröpfte Bürger wächst der Reiz, auszuwandern oder kürzerzutreten. Das kann keiner wollen.

Text: F.A.Z.

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