27. November 2005 noa. Die internationalen Bilanzierungsvorschriften - International Financial Accounting Standards (IFRS) - sollten zweierlei bewirken. Sie sollten mehr Transparenz schaffen sowie eine internationale Bilanzsprache entwickeln, die ein Gegengewicht zur amerikanischen Bilanzwelt des US-GAAP bildet. Das entstandene Regelwerk wird nicht durch staatliche Stellen entwickelt, sondern durch das in London ansässige International Accounting Standard Board, in dem sich im wesentlichen Vertreter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und großen Konzernen befinden. Ihre Sicht ist die der Finanzinvestoren, die eine eigene Währung für die Bilanzierungspraxis schaffen wollen. Deswegen drohen gerade die Belange mittelständischer Unternehmen oder der international tätigen deutschen Familienkonzerne unterzugehen. Der Standard IAS 32 verlangt eine bilanzielle Behandlung des Eigenkapitals, der dieses im schlimmsten Fall auf Null setzt und damit solvente Unternehmen zu überschuldeten macht. Kommt es hier nicht zu einer Anpassung, stehen diese Unternehmen angesichts der Bonitätsregeln auf dem Kapitalmarkt und der Beurteilung nach Basel-II-Kriterien vor einer dramatischen Schlechterstellung. Allerdings muß die Frage erlaubt sein: Warum haben die betroffenen Konzerne in Familienbesitz und der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer noch nicht ihren Einfluß geltend gemacht, diese Vorschrift zu ändern?
Text: F.A.Z., 28.11.2005, Nr. 277 / Seite 11
