Leitartikel Wirtschaft

Zwei Paukenschläge

VON HANNO MUSSLER

15. Juni 2007 Gehen Sparkassen und Landesbanken künftig getrennte Wege?

Der Bieterwettbewerb um die Landesbank Berlin ist entschieden. Die privaten deutschen Großbanken haben die einmalige Chance vergeben, über die Landesbank Berlin in den Besitz einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse zu gelangen. Angesichts ihres in der Vergangenheit allzu vehementen Wehklagens über das starre Drei-Säulen-Modell, das angeblich die privaten Banken am Gewinnen für sie auskömmlicher Marktanteile hindere, war die Beteiligung enttäuschend. Die Commerzbank war die einzige private deutsche Großbank, die sich einigermaßen ernsthaft um die Landesbank Berlin bemühte.

Zum Zuge gekommen ist aber der Deutsche Sparkassen-verband. Das ist für das deutsche Bankensystem keine gute Nachricht. Zumindest auf den ersten Blick wird die Bankenstruktur zementiert und Ineffizienz fortgeschrieben, die gerade ein Verband als Eigentümer einer Bank aufs trefflichste zu verkörpern scheint. Doch der Paukenschlag aus Berlin ist am Freitag noch übertönt worden durch neue Bewegung unter den Landesbanken. Die Landesbank Baden-Württemberg plant offenbar den Kauf der WestLB. Damit könnte endlich die überfällige Konsolidierung unter den Landesbanken in Gang kommen.

In den vergangenen Tagen war der Eindruck entstanden, der Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sei fremdgesteuert. Als Bieter neben dem Sparkassenverband und der Commerzbank in Berlin senkte die LBBW ihr Angebot. Dies war überraschend und der Anfang vom Ende des Bieterverfahrens. Womöglich gab es eben doch eine Absprache zwischen dem Schwaben Heinrich Haasis, dem Präsidenten des Deutschen Sparkassenverbandes, und Siegfried Jaschinski, dem Vorstandsvorsitzenden der LBBW. Haasis als früherer stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender in Baden-Württemberg könnte als Preis für den Rückzug der LBBW in Berlin bei der nordrhein-westfälischen CDU für die LBBW und Jaschinski ein gutes Wort eingelegt haben.

Ohne Zweifel wäre eine um die schwache WestLB erweiterte LBBW imstande, eine Bank mit zumindest großer europäischer Bedeutung zu werden. Gleichwohl ist die LBBW, obgleich die stärkste aller Landesbanken, derzeit selbst kein Ausbund an Effizienz. Aus drei Banken 1999 hervorgegangen, hat die LBBW an vielen Stellen immer noch nicht die Fusionsdividende eingefahren. Dies liegt auch am Grundübel öffentlicher Banken: dem Desinteresse der Eigentümer, auf Kostensenkungen zu dringen. Vielen Bundesländern ist die Rendite, die sie aus ihren Bankbeteiligungen ziehen, nicht wichtig. Nur wenn, wie in Berlin geschehen, die Landesbank Milliarden verspekuliert, werden Politiker hellhörig. Ansonsten ist es ihnen wichtig, dass die Bankvorstände spuren, wenn etwas Prestigeträchtiges zu finanzieren ist. Sparkassen und Landesbanken leisten verdeckte Subventionen für ihre Kommunen und Länder.

Immerhin ist die Landesbank Berlin künftig ohne Einfluss des Landes. Der Verkauf erfolgte jedoch nicht aus Einsicht, sondern weil ihn die Europäische Union angeordnet hat. Der Deutsche Sparkassenverband hat nun immerhin die Chance, die Landesbank Berlin zu einer Investmentbank für alle Sparkassen auszubauen. Dank der Börsennotierung der erworbenen Bank besteht zudem die Möglichkeit, Zukäufe beispielsweise im Ausland durch Aufnahme privaten Kapitals zu finanzieren. Dies wäre ein echter Fortschritt.

Der Kauf der Landesbank Berlin durch den Sparkassenverband im Namen aller Sparkassen ist zugleich ein deutliches Signal an ihre bisherigen Partner, die zehn weiteren Landesbanken in den Regionen. Die Sparkassen können nun ohne sie; die meisten Landesbanken aber, die nach dem Wegfall der staatlichen Garantien im Juli 2005 noch an neuen Geschäftsmodellen arbeiten, können kaum ohne die Sparkassen überleben. Spannend wird sein, ob sich die Wege der bisherigen Partner trennen. Dies wird womöglich als Erstes an der Dekabank zu beobachten sein, wo die Landesbanken demnächst ihre Anteile an die Sparkassen verkaufen könnten.

Text: F.A.Z., 16.06.2007, Nr. 137 / Seite 13

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