10. August 2008 Die Halbjahreszahlen in dieser Woche haben es einmal mehr gezeigt: Es wäre ein Segen für die Allianz, wenn sie ihre Tochter Dresdner Bank endlich loswürde. Mehr als eine Milliarde Euro Verlust hat die Bank in den ersten sechs Monaten gemacht. Die schlechten Zahlen der Tochter in Frankfurt zehren einen großen Teil der Gewinne der Mutter in München auf, die zwar auch unter der Finanzkrise leidet - aber im Branchenvergleich gut dasteht.
Warum hat sich das Engagement der erfolgreichen Versicherung im Bankenmarkt so katastrophal entwickelt? 24 Milliarden Euro hatte die Allianz vor sieben Jahren für die Dresdner Bank gezahlt. Heute schätzen Analysten ihren Wert gerade mal auf ein Drittel. Und Beobachter empfehlen, die Allianz solle froh sein, wenn sie ihre Tochter überhaupt loswerde - notfalls zum symbolischen Preis von einem Euro.
Nun muss man, wenn man den Wert der Dresdner Bank von 2001 und heute vergleicht, fairerweise einräumen: In der Zwischenzeit wurden wichtige Teile der Bank, etwa die Vermögenverwaltung, in die Versicherung eingegliedert. Das minderte den Wert der Bank. Eingeräumt werden muss auch, dass zuletzt in der Finanzkrise alle Banken erheblich an Wert verloren haben. Beides erklärt aber nicht das Ausmaß der Verluste, die der Kauf der Dresdner Bank für die Allianz über die Jahre bedeutet hat.
Drei Faktoren für die schlechte Entwicklung verantwortlich
Im Kern sind drei Faktoren für die schlechte Entwicklung verantwortlich. Erstens hat die Allianz die Möglichkeiten der Verzahnung des eigenen Geschäfts mit dem der Dresdner Bank überschätzt. Der Vertrieb von Versicherungsprodukten über die Bankfilialen funktioniert zwar irgendwie, genauso wie der Vertrieb von Bankprodukten über die Versicherungsbüros. Diese Synergien konnten jedoch die Ertragsschwäche der Dresdner Bank, die sich schon vor der Übernahme durch die Allianz deutlich abzeichnete, nie ausgleichen. Vor allem ihr Investmentbanking erwies sich als zum Sterben zu groß und zum Leben zu klein.
Zweitens konnte die Dresdner Bank als von München abhängiges Haus nie so frei aufspielen wie beispielsweise die Commerzbank. Das rächte sich für ihre Position auf dem Bankenmarkt. Strategische Entscheidungen wie die des früheren Commerzbank-Chefs Klaus-Peter Müller, die Immobilienbank Eurohypo zu kaufen, waren der Allianz-Banktochter verwehrt. So zog die Commerzbank an der Dresdner Bank vorbei auf Platz zwei unter den deutschen Banken und beweist mit gut einer Milliarde Euro Gewinn im ersten Halbjahr auch eine größere Ertragskraft.
Drittens scheint die Allianz die Unterschiedlichkeit von Versicherungs- und Bankgeschäft unterschätzt zu haben. Anders als in anderen Ländern, in denen Allfinanzkonzerne großen Erfolg haben, sind die Kulturen von Versicherungen und Banken in Deutschland doch nach wie vor sehr verschieden. Das mangelnde Verständnis des einen Sektors für das Geschäft des anderen mag eine zentrale Ursache gewesen sein, warum sich die Allianz mit der strategischen Steuerung der Dresdner Bank so schwer tat.
Die Verhandlungen stocken
Einfach so weitergehen kann es also eigentlich nicht. Die Allianz hatte gehofft, in der Finanzkrise nun die Dresdner Bank ganz oder in Teilen an die Commerzbank abzugeben. Möglicherweise gegen eine Beteiligung an dem neuen, gemeinsamen Institut. Auch wenn die Verhandlungen im Augenblick etwas zu stocken scheinen, weil beide Seiten über mögliche weitere Risiken aus der Finanzkrise beunruhigt sind: Für die Allianz-Aktionäre wie für die Mitarbeiter der Dresdner Bank ist es wichtig, dass bald etwas passiert.
Text: F.A.S.
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